Archiv der Kategorie ‘Allgemein‘

 
 

Alle raus, die Gegend muss geraeumt werden!

von Alice Behrendt

Das Team nach der EvakuierungWir diskutieren gerade, welche Moeglichkeiten bestehen, Fema nach der psychologischen Unterstuetzung in einem Ausbildungsprogramm fuer junge Maedchen unterzubringen, als wir ueber Lautsprecher aufgefordert werden, das Buero zu verlassen. Ein UN-Mitarbeiter aus Pakistan informiert uns, dass direkt neben unserem Buero eine Granate entdeckt wurde. Alle raus, die Gegend muss geraeumt werden! Meine Mitarbeiter brechen in Panik aus, die Situation bringt schlimmste Kriegserinnerungen bei ihnen hervor. Hastig zwaengen sie sich alle in ein Auto, um das Gefahrengebiet zu verlassen. “Wo ist Sumor?” frage ich. Keiner weiss es. Ich gehe zurueck ins Buero, waehrend Lakika die Latrinen absucht, jedoch keine Spur von Sumor. Der Wachposten loest das Raetsel auf: Sumor hat, sobald sie die Megaphone gehoert hat, die Flucht ergriffen, und ist bereits ausserhalb der Gefahrenzone. Ich quetsche mich in das ueberfuellte Auto, Fatmatah neben mir zittert. Fuer mich ist es leicht, ruhig zu bleiben: Ich war ja auch nicht jahrelang auf der Flucht, bin nie in meiner Heimat angegriffen worden und habe nie meine Bleibe verloren.

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Bogota – die Sicherheit, der Journalist und ich

von Christian Frost

Blick auf Bogota vom MonserrateDie Menschen hier in Bogota (Kolumbien) sind noch gesprächiger, als diejenigen, die ich in Ecuador traf. Liegt es am (noch) stärkeren Kaffee? Ich glaube es fast. Ich dachte, ich wäre Kaffee gewöhnt, jedoch hatte ich noch nicht den hiesigen “Tinto” probiert.

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Mädchenschicksale

von Alice Behrendt

Teenager-Mutter mit ihrem Baby(Fortsetzung des Beitrags vom 18. Februar) Wir arbeiten weiter an unserem Training und stellen individuelle Unterstuetzungsstrategien fuer die Kinder und ihre Familien zusammen. Jeder Fall ist schwierig und bedarf Zeit und Einfuehlungsvermoegen. Unsere Kapazitaet erlaubt uns lediglich, die schlimmsten Faelle in unser Folgeprojekt aufzunehmen. Wir diskutieren gerade notwendige Massnahmen fuer ein Maedchen, das von Fatmatah interviewt wurde. Aus Datenschutzgruenden werde ich das Mädchen Fema nennen. Fema ist 16 Jahre alt und hat beide Eltern im Krieg verloren. Sie hat ueber zehn Jahre in Fluechtlingskamps in Guinea gelebt, wo sie zeitweilig zur Schule ging.

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Katastrophenvorsorge in Ecuador

von Christian Frost

Christian Frost in EcuadorHallo, mein Name ist Christian und ich arbeite seit Oktober 2007 bei Plan und befinde mich gerade auf meiner ersten “Plan-Reise” in Ecuador und Kolumbien. In Ecuador war insbesondere der Besuch eines Plan-Programmgebiets in Cotopaxi sehr aufschlussreich: Die Stadt Latacunga wurde schon mehrfach durch Ausbrüche des alles dominierenden Vulkan Cotopaxi dem Erdboden gleichgemacht. Die Menschen sind gezwungen, immer wieder von vorne anzufangen.

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Liebe

von Stefanie Conrad

Junges PaarIch gehe inmitten einer Horde Kinder durch ein abgelegenes Dorf im Norden Guinea Bissaus, dessen verfallene Amtsgebaeude von seiner ehemaligen Wichtigkeit waehrend der Kolonialzeit sprechen. Heute liegt vor der einstmals schoenen Kathedrale die stumme Kirchturmglocke. Das Neuste in der Gemeinde ist ein Plakat mit einem glaenzend roten Aids-Emblem. Die Kinder zeigen mir ihr Dorf und erzaehlen mir von ihren Problemen. Ein Junge hat seinen Arm um ein Maedchen gelegt, und sie haelt halb verlegen, halb stolz seine grosse dunkle Hand. Ich bin erstaunt: Es ist selten, in Westafrika junge Liebespaare zu sehen, die offen zeigen, dass sie verliebt sind, vor allem in den laendlichen Gebieten. Haendchenhalten ist etwas, das hoechstens in Metropolen wie Dakar oder Abidjan zu sehen ist, und selbst dort von den Aelteren mit kritischem Blick betrachtet wird.

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Das Wohl der Familie

von Alice Behrendt

Zwei Frauen erhalten eine individuelle FamilienberatungDer Tag beginnt mit guten Neuigkeiten: Das Maedchen, ueber das ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, ist aus dem Koma aufgewacht. Ihr Zustand verbessert sich stetig und vermutlich kann sie morgen wieder nach Hause. Das eigentliche Problem, ihr gewaltaetiger Eheman, ist jedoch nach wie vor nicht aus der Welt geschafft. Sie moechte ihren Mann nicht fuer die schwere Koerperverletzung vor Gericht bringen, obwohl es nicht das erste Mal ist, dass sie krankenhausreif gepruegelt wurde. In Liberia haben Menschen wenig Vertrauen in das Justizsystem und leider zu vollem Recht: die meisten Anklagen “verschwinden” auf Nimmerwiedersehen in der Buerokratie, sobald der Taeter auf den richtigen Knopf drueckt, das heisst der richtigen Person Bestechungsgelder zukommen laesst. Selbst wenn die Faelle von den Vereinten Nationen unterstuetzt werden, dauert es haeufig unglaublich lange, bis eine Verhandlung stattfindet und dann faellt der notduerftig geschulte Richter meistens ein Urteil zu Gunsten des Taeters, besonders da die jungen Maedchen, von ihren Familien unter Druck gesetzt, sich im entscheidenden Moment nicht trauen, eindeutig gegen den Mann Stellung zu beziehen. Auch in diesem speziellen Fall wird das Maedchen, sobald ansprechbar, von ihren Eltern dazu aufgefordert, zu ihrem Ehemann zurueckzukehren.


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