Autoren Archiv - alle Artikel von Stuart Coles

 
 

Der letzte Beitrag aus Haiti

von Stuart Coles

29. Januar: Die wahre Arbeit beginnt jetzt erst, aber dennoch verlassen die Medien das Land in Scharen. Andere übernehmen das Feld. Bei uns ist es nicht viel anders: Zwei Kollegen kommen, um uns abzulösen.

Es muss noch sehr viel getan werden. Ich erzähle Jo-Ann, die die Programme von Plan Haiti leitet, dass ihre  Kolleginnen und Kollegen sich dringend ausruhen müssen. Sie lacht und sagt, dass es nicht geht, sie wollen nicht. Der enorme Ansporn meiner Haitianischen Kollegen beeindruckt mich.

Die Strategie von Plan, mit jugendlichen freiwilligen Helfern und Vertretern der Gemeinden zu arbeiten, trägt Früchte. Wir testen sie in Croix-des-Bouquets.

Bekannte Gesichter und freundliche Gespräche entspannen die Situation. Vor dem Gelände helfen sogar die mit Maschinengewehren bewaffneten jordanischen UN-Soldaten. Wir verteilen einige Hundert Hilfspakete ohne Zwischenfälle. In den nächsten Tagen wird diese Methode ausgedehnt.


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Haiti: Langsam kehrt der Alltag ein

von Stuart Coles

27. Januar – Man flüstert es schon in den Straßen: Das Leben geht weiter. Es erscheint kalt und zynisch, zu behaupten, dass diese Katastrophe in das Muster aller anderen Katastrophen passt, aber so ist es tatsächlich.

Die Soforthilfe ist abgeschlossen. Es ist jetzt (scheinbar) offiziell. Es werden keine Überlebenden mehr aus den Trümmern geborgen. Die Rettungsmannschaften sind abgezogen und viele Journalisten haben die Stadt verlassen, auf der Suche nach der nächsten Geschichte. Mein Telefon läuft nicht mehr heiß.

Große Bedürftigkeit auf der Straße
Die Bedürftigkeit in den Straßen ist noch riesengroß. Rund 200.000 mehr Zelte werden benötigt, sagt der Präsident. Wir beobachten viele Beerdigungen. Diejenigen, die sich “glücklicher” schätzen, werden von Trauernden in makellos weißen Hemden, Anzügen und polierten Schuhen begleitet – in dieser Stadt voller Staub, zerbröckeltem Gestein und verbogenem Metall.

Und doch gibt es schon Zeichen, dass es weiter geht. Die führende Bäckerei der Stadt hat wieder geöffnet. Die eine oder andere unbedeutende Schnitzerei oder Malerei wird wieder am Straßenrand feil geboten und ich höre jemanden singen.


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Das Engagement der jungen Haitianer

von Stuart Coles

Sie sind jung, sie sind clever und sie wollen um jeden Preis ihrem Land wieder auf die Beine helfen. Die jungen Menschen in Haiti bieten ihre Hilfe an, wo es möglich ist.

Zurück nach Port-au-Prince

von Stuart Coles

24. Januar – Der Rückweg nach Port-au-Prince ist kurz. Die Straße wurde “geräumt“, dennoch fädeln wir uns an Felsbrocken vorbei, groß wie Doppeldecker-Busse. Auch an Comic ähnlichen Rissen in der Straße.

Meine Mutter wäre “not amused“
Die Tour offenbart ein Ausmaß an Zerstörung, das wir vorher nicht bemerkt hatten. Die Stadt Mariani wirkt trostlos. Überschwemmt von kaputten Wasserflaschen und Trümmern. Wir versuchen, hier unsere  erfolgreiche Arbeit von Jacmel zu wiederholen. Das Model ist gut  – die Kommunikationswege nutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen und Hilfsgüter aus zu geben – das Ausmaß der Zerstörung und die Strukturen der Stadt sind nur anders.

Die Tide ändert sich bereits ein bisschen. Ein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen. Hier müssen sich weniger Menschen die Masken vor die Gesichter halten, um den Verwesungsgeruch abzuwenden und es sind mehr alltägliche Aktivitäten auszumachen: Mehr Läden haben geöffnet und Menschen bahnen sich den Weg durch die Trümmer, um ihren Geschäften nachzugehen.

Mobile Wassertanks rumpeln durch die Straßen und Nichtregierungsorganisationen erreichen die Camps und Gemeinden. Täglich wächst die Zahl der roten Hilfszelte zwischen der Masse an behelfsmäßig zusammen gestückelten Zelten aus Plastikplanen und Stofflaken.


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Jacmel: Starkes Nachbeben

von Stuart Coles

20. Januar: Sechs Uhr morgens. Uns erreicht eine außergewöhnliche Nachbeben-Warnung: Ein ächzendes, rüttelndes Grollen umfängt uns. Ich bin gerade im Halbschlaf und überdenke die morgigen Pläne. Die Erde verschiebt sich unter mir.

Ich springe auf und höre warnende Rufe in verschiedenen Sprachen von meinen Kollegen. Aber sie sind nur Silhuetten im schwachen Licht – und ich kann meine Brille nicht finden.

Das Dach ächzt, klappert und Gegenstände fallen herunter.

Mein Herz macht einen Kaltstart und meine Beine katapultieren mich voran. Aber mein Gehirn sagt mir: “Kopf unter den Tisch!“ Zwei Jahre Japan und diverse Katastrophenübungen haben mich konditioniert. Aber ich bin verwirrt. Ich kann nichts sehen.


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Die Hoffnung erreicht Jacmel

von Stuart Coles

20. Januar: Stromausfälle und andere Hindernisse führten zu einem Rückstau in der Kommunikation, also liefere ich hier eine Sammelmeldung.

Die Todesrate ist in Jacmel nicht so hoch wie in Port-au-Prince aber der Schmerz über die Verluste ist kaum anders. Unsere zehnstündige Berg-und-Tal-Fahrt bringt uns in eine Küstenstadt, die früher als wunderschön und malerisch galt. Sonnengebleichte Gebäude im Kolonialstil und einer Gischichte voller Kaffeehandel.

Der Tag bricht an und wir sehen was verschwunden ist oder noch gefährlich in die Straße baumelt.

Hier sind rund 400 Menschen gestorben, in der gesamten Region sind es mehrere Tausend. Ungefährt 50 Prozent der Menschen haben keine gesicherte Unterkunft mehr. In der Abenddämmerung versammeln sich die Menschen, um en masse auf der Straße zu schlafen. Steine werden um provisorische Betten geschichtet, in dem Versuch, sich vor herannahenden Fahrzeugen zu schützen.


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