Autoren Archiv - alle Artikel von Steve Theobald

 
 

Haiti: Feste Unterkünfte und Schulbildung

von Steve Theobald

Ich treffe eine Frau in einer kleinen Zeltsiedlung (rund 20 Zelte) in Port-au-Prince. Sie lebt dort mit ihrer Familie, inklusive einem zwei Monate alten Baby. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte eine winzige Solarzelle gerettet. Ihr langer Draht führt zu etwas, das früher einmal eine Motorradbatterie gewesen sein muss. Die Garantie ist definitiv vor langer Zeit abgelaufen. Ein anderer Draht führt zu einem CD-Spieler. Der Saft reicht nicht aus, um eine CD zu drehen, aber das Radio funktioniert.

Ich frage die Jugendlichen, was sie gerne im Radio hören würden. Die Antwort ist immer gleich: Sie wollen wissen, wann endlich der Wiederaufbau beginnt. Sie wollen wieder in die Schule gehen.

Der erste Regen

Wenn man in Port-au-Prince die richtige Straße zur richtigen Zeit entlang fährt, könnte man fast vergessen, dass es hier ein großes Erdbeben gab.  Blumen blühen, die Häuser stehen schmuck am Straßenrand und die Menschen gehen ihren alltäglichen Geschäften nach. Es ist eine Illusion. Eine, die ein kürzlich niedergehender Regenguss fort gewaschen hat. Jedoch sind die vielen wunderschönen Blüten, die über die hohen – teilweise brökelnden Mauern – ranken echt, aber auch in gewisser Weise surreal. Die Häuser stehen leer.

Jede Katastrophe hat ihren Preis

Straßenmärkte füllen sich mit Händlern, die Obst, Gemüse, Schampoo und Schuhe verkaufen. Der lokale Baumarkt hat seine Lager gefüllt. Das Problem ist, dass die Preise seit dem Erdbeben in schwindelerregende Höhen geschossen sind. Die Arbeitslosigkeit ist enorm, darum ist das Geschäft nicht gerade lebhaft.


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Haiti: Wie mit den Schmerzen umgehen?

von Steve Theobald

Die wiedereröffneten Apotheken in Haiti können keine Wunderpillen für die Menschen bereitstellen. Nach drei Wochen hat der Schmerz über den Verlust von Angehörigen, Häusern, der ganzen Stadt, wenn überhaupt, nur ein klein wenig nachgelassen.

Meine Freunde und Kollegen können inzwischen etwas länger darüber reden, bevor  Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ihnen die Tränen in die Augen treiben. Hier geht es eindeutig um mehr als Trauer. Ich habe in der vergangenen Woche nur eine einzelne Beerdigung gesehen. Die Sicherung der öffentlichen Gesundheit erforderte Massenbestattungen.

Kummer ist definitiv kein Freund von Geselligkeit. Die Menschen brauchen dringend Ablenkung, damit sie in den kleinen Zeitfenstern ihre Wunden heilen können. Die Fernsehstationen sind wieder auf Sendung, aber die meisten Menschen haben noch immer keinen Strom, um auf den “überlebenden“ Fernsehern ihre Lieblingsprogramme zu schauen. Die meisten Generatoren sind zerstört und der Wille, diese zu reparieren ist gering, da Benzin immer noch unbezahlbar ist.


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Haiti: Kindern Sicherheit geben

von Steve Theobald

Es ist normalerweise recht einfach, die Monster unter den Betten zu vertreiben – in der Regel hilft da schon ein Nachtlicht. Die Kinder in Haiti kämpfen mit einer völlig anderen Gattung Monster – und diese kommen von oben. Dafür gibt es keine schnelle Lösung.

Ein sicheres Dach über dem Kopf sollte eigentlich selbstverständlich sein. Für die meisten Kinder – und auch für die Erwachsenen – änderte sich das mit dem Erdbeben vor drei Wochen grundlegend.

Selbst wenn ein Haus komplett intakt erscheint, trauen sich die Kinder nicht, es zu betreten. Und sie haben Recht. Wo immer Du hinschaust, campieren die Familien unter freiem Himmel in Zelten oder provisorischen Unterkünften. Manchmal direkt neben ihrem Haus, wenn dort Platz ist. Die Erwachsenen halten sich manchmal ein paar Minuten im Haus auf, immer auf der Hut vor einem Beben. Drinnen zu schlafen ist aber Tabu.


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Inspiration an unerwarteter Stelle

von Steve Theobald

Steve Theobald löst  Stuart Coles in Haiti ab. Er ist Mitarbeiter bei Plan in Kanada und wird den Blog von Stuart über Haiti fortsetzen.

29. Januar: Inspirationen erscheinen, wenn man sie am allerwenigsten erwartet. Wir sind in der Dominikanischen Republik, ca. 45 Minuten von der Haitianischen Grenze entfernt, und machen eine kurze Pause. Wir warten auf ein anderes, mit Hilfsgütern beladenes Fahrzeug von Plan.

Ich besuche Haiti zum vierten Mal, aber ich habe keine Ahnung, was mich jetzt auf der anderen Seite der Grenze erwartet.

Ich bin unterwegs zu Stuart Coles, der kurz nach dem Erdbeben in Haiti eingetroffen war, um die Medienarbeit für Plan zu übernehmen.

Joseph
Ein Teil von mir  – ein sehr großer Teil – bedauert es, dieser Mission zugestimmt zu haben. Dann treffe ich Joseph, einen beherzten zwölfjährigen haitianischen Jungen, der sich für eine Gruppe von Ausländern interessiert, die vor einem Krankenhaus parken (nämlich uns).


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