Autoren Archiv - alle Artikel von Stefanie Conrad

 
 

Praedikat “Kinderfreundlich”

von Stefanie Conrad

Am Dorfeingang von Sananbele steht ein grosses blaues Schild. Auf dem Schild ist eine lange Liste in Bambara, der Hauptsprache Malis, und einige Zahlen:  % von Kindern, die zur Schule gehen: 96 %, % von unterernaehrten Kindern: 2 %…, etc. Seit Monaten hat Plan die Menschen von Sananbele dabei begleitet, zu entscheiden, wie ihr Dorf aussehen soll, um wirklich kinderfreudlich zu sein. Kein Kind sollte mehr unterernaehrt sein. Und alle sollten die Moeglichkeit haben, sich schon vom Kleinkindalter an gut zu entwickeln, sowohl koerperlich als auch geistig. Familien sollten in der Lage sein, ihren Kindern ein sicheres Umeld zu schaffen und alle Grundbeduerfnisse zu befriedigen. Und Kinder sollten mitentscheiden in Gemeindeangelegenheiten. Weitreichende Plaene fuer das kleine Dorf!


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Der Krieg ist vorueber – Wiederaufbau in Liberia

von Stefanie Conrad

1993 musste Plan sich aus Liberia zurueckziehen, als Rebellenfuehrer und spaeterer Praesident Charles Taylor mit seinen Truppen in der toedlichen Operation Oktopus die Hauptstadt stuermte. Waehrend der zwei blutigen Bürgerkriege, die das Land von 1989 – 2003 zerstoerten, waren etwa 15.000 Kinder Teil der Truppen: als Soldat, Lastentraeger, Koch oder Sex-Sklavin fuer die Soldaten. Drei Jahre nach Ende des Krieges fing Plan mit Hilfe von Gross- und Einzelspenden wieder an in dem total zerstoerten Land zu arbeiten. Und dieses Jahr werden nun die ersten Patenkinder aufgenommen, um langfristrige Gemeindearbeit moeglich zu machen.

Meine Mission ist es, Plan Liberia dabei zu helfen, die Wiederaufnahme der Patenschaftsaktivitaeten zu planen. Die ersten beiden Gemeinden, aus denen Patenkinder aufgenommen werden sollen, liegen in Lofa County, einem Gebiet mit Grenzen nach Guinea und Sierra Leone, das am schlimmsten von den Kriegswirren betroffen war.


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Blog Action Day 2008: Kinderarmut

von Stefanie Conrad

“Die aermsten Kinder sind die, die ohne Schuhe in die Schule kommen”, haben mir die Jungs und Maedchen aus dem Dorf in der naehe von Sokodé gesagt. Wenn man sich mit den Kindern ohne Schuhe unterhaelt, versteht man, wie sich ihre Armut anfuehlt.

Da ist zuerst einmal ganz grosse Scham. “Ich warte nur auf den Tag, an dem ich an der Reihe bin”, erzaehlt mir ein kleines Maedchen, dessen kakifarbene Schuluniform ein paar Nummern zu gross von ihren mageren Schultern haengt. “An der Reihe?”, frage ich und erfahre, dass die aermeren Kinder oft gnadenlos dem Spott der anderen ausgeliefert sind, so schlimm, das sie sich zu allerletzt nicht mehr in die Schule trauen. Ein Junge erzaehlt mir, dass er eines Tages einfach nicht mehr hingegangen ist “die haben mich immer den Opa der 3. Klasse genannt. Ich habe zweimal ein Jahr versaeumt, weil meine Eltern nicht mehr bezahlen konnten. Die anderen Kinder haben mir gemeine Namen gegeben und mich zu mehreren verpruegelt. Da hab ich’s nicht mehr ausgehalten”. In Togo ist Schule zwar theoretisch gebuehrenfrei – aber praktisch gibt es sogenannte “Parallelkosten”, die ueber Uniform und Buecher auch mal einen Anteil fuer die Benzinkosten des Regionalen Schulinspektors einbehalten, damit er seinen Job ueberhaupt ausueben kann.


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Politische Einflussnahme

von Stefanie Conrad

Stefanie Conrad und die senegalesischen AbgeordnetenKuerzlich fragte mich einer meiner Freunde, was ich denn nun eigentlich wirklich hier im Regionalbuero im Senegal mache. Das waere eine ziemlich lange Antwort, da der Begriff “Advocacy” in Deutschland nicht so bekannt ist.

“Advocacy” oder politische Einflussnahme ist ein Arbeitsgebiet, das fuer Plan relativ neu ist. Klar, haben wir seit Sozialministerin von Sierra Leone, Mariatu Bangura, unterzeichnet die Petition anläßlich der Veröffentlichung des Mädchenberichts von PlanJahren mit Gemeindepolitikern zusammengearbeitet. Hier in Westafrika sind the Gemeinde-Entwicklungs-Komitees meist politisch gewaehlte Einheiten. Und die Arbeit mit Ministerien, um nationale Gesundheits-, Kinderschutz- und Bildungsprogramme zu entwickeln, ist unser taeglich Brot. Denn wir sind natuerlich zum einen darauf angewiesen, im legalen Rahmen zu arbeiten, zum anderen wollen wir sicher gehen, dass alle unsere Erfahrungen aus der Projektarbeit in die nationalen Entwicklungsprogramme einfliessen.


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Kulinarische Geschenke

von Stefanie Conrad

Ein SchafIch sitze bei der grossen Moschee direkt am Meer und beobachte, wie senegalesische Kinder Schafe ins Meer treiben, um sie dort zu waschen, bevor sie zum Schlachten gebracht werden. Das Salzwasser und die gleissende Sonne bleichen das Fell. Das Bloeken der Schafe erinnert mich an eines meiner zahlreichen kulinarischen Geschenke, die mir im Laufe meiner Zeit “im Field” gemacht worden sind: das Omo-Schaf, Geschenk eines Chef-Kanton im Bezirk Est Mono in Togo.


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Liebe

von Stefanie Conrad

Junges PaarIch gehe inmitten einer Horde Kinder durch ein abgelegenes Dorf im Norden Guinea Bissaus, dessen verfallene Amtsgebaeude von seiner ehemaligen Wichtigkeit waehrend der Kolonialzeit sprechen. Heute liegt vor der einstmals schoenen Kathedrale die stumme Kirchturmglocke. Das Neuste in der Gemeinde ist ein Plakat mit einem glaenzend roten Aids-Emblem. Die Kinder zeigen mir ihr Dorf und erzaehlen mir von ihren Problemen. Ein Junge hat seinen Arm um ein Maedchen gelegt, und sie haelt halb verlegen, halb stolz seine grosse dunkle Hand. Ich bin erstaunt: Es ist selten, in Westafrika junge Liebespaare zu sehen, die offen zeigen, dass sie verliebt sind, vor allem in den laendlichen Gebieten. Haendchenhalten ist etwas, das hoechstens in Metropolen wie Dakar oder Abidjan zu sehen ist, und selbst dort von den Aelteren mit kritischem Blick betrachtet wird.

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