Autoren Archiv - alle Artikel von Matthias Wevelsiep

 
 

Babys, Muttermilch und Wellen

von Matthias Wevelsiep

Kürzlich war ich in Senegal und habe dort Aly kennengelernt, als ich ihn nach dem Weg gefragt habe. Er sei gerade Vater geworden, erzählte mir Aly auf einer Seitenstrasse in Dakar, und da auch in meiner Familie ein Baby erwartet wurde, lud er mich spontan auf einen Drink ein.

Dabei erzählte er mir von folgender Tradition: Sein Baby heiße noch “Fremder”, weil es den Namen erst bei der Namensfeier bekomme. Er sei gerade am Ozean gewesen und habe ein bisschen Muttermilch in die Wellen tropfen lassen, damit die Welt gut auf sein Baby aufpasse.

Mach Dir keine Sorgen!

von Matthias Wevelsiep

Wir sollten Kinder nicht unterschätzen.Lange vor den Wahlen in Kenia war ich in Nairobi unterwegs zu einem Abendspaziergang. Ich setzte mich hin, um eine Pause zu machen, und ein kleiner Junge setzte sich neben mich. Der Junge lebte „auf der Strasse“ und wir fingen an uns zu unterhalten. „Was machst Du denn hier?“, frage der Junge. „Nur ein kleiner Spaziergang am Abend“, antwortete ich. Der Junge schien sich über etwas Sorgen zu machen, und er sagte ernsthaft „Du solltest nicht hier sein, es ist gefährlich für Dich, nachts auf der Strasse zu sein“. Er erklärte mir, dass er selbst einen Schutzvertrag mit einem Wächter vor der Bank habe. Er bezahlt einen kleinen Betrag und darf dafür neben dem Wächter auf dem Boden schlafen: „Mach Dir keine Sorgen um mich“, sagte er, „aber Du gehst bitte zurück ins Hotel, es ist hier ja nicht sicher“.

In dieser Nacht lernte ich etwas darüber, wie Gesellschaften Kinder schützen wollen. Hier auf der Strasse war es der Junge, der auf mich aufgepasst hat. Und obwohl mich seine Lebensbedingungen erschütterten, denke ich jetzt auch daran, Kinder nicht zu unterschätzen – selbst dann, wenn wir sie beschützen wollen.

Olympische Gedanken

von Matthias Wevelsiep

OlympicDa ja nun die olympische Fackel in der “Reise der Harmonie” um die Welt wandert, scheint sie in fast allen Ländern gemischte Gefühle hervorzurufen – ebenso wie lautstarke Proteste. Wir arbeiten in vielen dieser Länder mit der Zivilgesellschaft und sind mit der grundlegenden Frage konfrontiert: Wie Veränderung und Respekt für Kinderrechte am besten zu erreichen sind. Zum einen sehen wir in unserer Arbeit oft die positiven Aspekte von Sport und Entwicklung, zum Beispiel Teamgeist unbd Solidarität. Der olympische Gedanke lebt in diesen Projekten, zum Beispiel in Fußball-Projekten in Kamerun.

Fußballspiel in KamerunWir müssen aber auch mit den Schwierigkeiten, die restriktive Gesellschaften mit sich bringen, umgehen - zum Beispiel in China, Simbabwe, Sudan. Diese werden einem durch den Fackellauf wieder einmal bewusst, wenn man zum Beispiel an Kinderrechte in Tibet denkt. Olympia schafft Veränderung – welche und auf welche Weise werden wir in den nächsten Monaten sehen.   

Das andere Kolumbien

von Matthias Wevelsiep

Gesichter schauen mich an, wenn ich das glitzernde und aufpolierte Bankenviertel Bogotás verlasse – gesprühte Gesichter, die mir von den vielen Seiten Kolumbiens erzählen. Nicht die Bürgerkriegs-Gesellschaft, nicht das Land der traurigen Rekorde – Ungleichheit, Entführungen und Drogen. Nein, es ist das hoffende Kolumbien, das sich in Millionen von Menschen ausdrückt um für Frieden zu demonstrieren. Und es ist das kreative Kolumbien, das das hoffende mit dem traurigen Kolumbien in Street–Graffiti verbindet.  

Graffiti in Bogotá    Graffiti in Bogotá    Graffiti in Bogotá   Graffiti in Bogotá    Graffiti in Bogotá

Bock auf Schule!

von Matthias Wevelsiep

Schule in Sierra LeoneBochum, Ruhrpott, 1985, wieder ein Montag: Kein Bock auf Schule! Nicht ganz einfach, sich jeden Morgen aufzuraffen. Jedenfalls in meiner Klasse war die Frage, wie man gute Noten bekam, hauptsächlich eine Frage der Motivation. Jetzt lebe ich in Finnland, und auch hier ist diese Einstellung durchaus verbreitet. Irgendetwas verändert sich, wenn das Besondere zum Alltäglichen wird. Es wird als “gegeben” angenommen und langsam fängt Schule an zu nerven.


Den ganzen Beitrag lesen »