Autoren Archiv - alle Artikel von Alice Behrendt

 
 

Das harte Schicksal der Talibé Kinder im Senegal

von Alice Behrendt

Armut gibt es ueberall. Sie hat viele Gesichter. Im Senegal begegnet sie mir jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit. In Form vieler Haende, die sich mir hinstrecken, in der Hoffnung, dass ich etwas Geld, ein paar Zuckerwuerfel oder irgendetwas anderes zu essen gebe. Die Kinder, die zu den Haenden gehoeren, haben gemeinsam, dass sie unglaublich schmutzig sind, zerrissene Kleidung tragen und entweder barfuss laufen oder in den Ueberresten von Plastiksandalen. Viele von ihnen haben Hautkrankheiten und Wunden. Es sind nur Jungen zwischen 4 und 18 Jahren, die Tag und Nacht durch die Strassen ziehen, um zu betteln, zu stehlen oder auf der Suche nach einer Bleibe.


Den ganzen Beitrag lesen »

Der Ramadan ist vorbei

von Alice Behrendt

Nun ist er mal wieder vorbei, der Fastenmonat unserer muslimischen Kollegen. Ueber einen Monat wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken.  Im Senegal, wo ueber 95 % der Bevoelkerung muslimisch ist, bedeutet es, dass das gesamte Land in einen anderen Rhythmus verfaellt. Tagsueber werden alle Aktivitaeten auf das Notwendigste reduziert, die meisten Restaurants haben geschlossen und gegen Abend werden unglaubliche Nahrungsmengen zubereitet und ueber die Nachtstunden hinweg verzehrt. Wie jedes Jahr habe ich meine Kollegen bewundert, die es schaffen, bei ueber 30 Grad und einer gewaltigen Luftfeuchtigkeit den ganzen Tag nichts zu trinken!

Am Dienstag, kurz vor Ende des Ramadan, richten alle ihre Augen gespannt zum Mond: Je nach seinem Stand, wird der Fastenmonat dieses Jahr am Mittwoch oder am Donnerstag beendet. Da es jedoch unterschiedliche islamische Bruederschaften im Senegal gibt, gibt es auch unterschiedliche Meinungen, wann der Ramadan beendet werden muss. Entsprechend feiern einige am Mittwoch, einige am Donnerstag, und alle freuen sich ueber die zusaetzlichen freien Tage.


Den ganzen Beitrag lesen »

Rueckfahrt nach Monrovia

von Alice Behrendt

Über Schotterpisten in einem vollbesetzten Auto nach Monrovia.Meine Zeit in der Kleinstadt Voinjama neigt sich dem Ende zu, die Projektvorbereitungen sind abgeschlossen. An einem Samstagmorgen trete ich den langen Rueckweg ueber die Schotterpisten in einem vollbesetzten Auto nach Monrovia, der Hauptstadt Liberia’s, an. Es ist sehr heiss und nach 15 Minuten Buckelpiste gibt die Klimaanlage den Geist auf. Es gibt nur einen Ausweg: Fenster auf! Das hat jedoch in der Trockenzeit unangenehme Konsequenzen. Innerhalb kuerzester Zeit sind wir alle mit einer soliden Schicht von Staub eingedeckt. Und es ist trotzdem so heiss, dass uns der Schweiss in Baechen am Koerper runterlaueft. Wir setzen unseren Weg ohne Klimaanlage durch den wunderschoenen Regenwald fort. Die Piste ist voller Schlagloecher und tiefer Schlammfurchen und wir werden gewaltig durcheinander geschuettelt. Ich nicke trotzdem nach zwei Stunden ein – und werde durch einen kraeftigen Schlag auf den Kopf wieder aufgeweckt.

Den ganzen Beitrag lesen »

Alle raus, die Gegend muss geraeumt werden!

von Alice Behrendt

Das Team nach der EvakuierungWir diskutieren gerade, welche Moeglichkeiten bestehen, Fema nach der psychologischen Unterstuetzung in einem Ausbildungsprogramm fuer junge Maedchen unterzubringen, als wir ueber Lautsprecher aufgefordert werden, das Buero zu verlassen. Ein UN-Mitarbeiter aus Pakistan informiert uns, dass direkt neben unserem Buero eine Granate entdeckt wurde. Alle raus, die Gegend muss geraeumt werden! Meine Mitarbeiter brechen in Panik aus, die Situation bringt schlimmste Kriegserinnerungen bei ihnen hervor. Hastig zwaengen sie sich alle in ein Auto, um das Gefahrengebiet zu verlassen. “Wo ist Sumor?” frage ich. Keiner weiss es. Ich gehe zurueck ins Buero, waehrend Lakika die Latrinen absucht, jedoch keine Spur von Sumor. Der Wachposten loest das Raetsel auf: Sumor hat, sobald sie die Megaphone gehoert hat, die Flucht ergriffen, und ist bereits ausserhalb der Gefahrenzone. Ich quetsche mich in das ueberfuellte Auto, Fatmatah neben mir zittert. Fuer mich ist es leicht, ruhig zu bleiben: Ich war ja auch nicht jahrelang auf der Flucht, bin nie in meiner Heimat angegriffen worden und habe nie meine Bleibe verloren.

Den ganzen Beitrag lesen »

Mädchenschicksale

von Alice Behrendt

Teenager-Mutter mit ihrem Baby(Fortsetzung des Beitrags vom 18. Februar) Wir arbeiten weiter an unserem Training und stellen individuelle Unterstuetzungsstrategien fuer die Kinder und ihre Familien zusammen. Jeder Fall ist schwierig und bedarf Zeit und Einfuehlungsvermoegen. Unsere Kapazitaet erlaubt uns lediglich, die schlimmsten Faelle in unser Folgeprojekt aufzunehmen. Wir diskutieren gerade notwendige Massnahmen fuer ein Maedchen, das von Fatmatah interviewt wurde. Aus Datenschutzgruenden werde ich das Mädchen Fema nennen. Fema ist 16 Jahre alt und hat beide Eltern im Krieg verloren. Sie hat ueber zehn Jahre in Fluechtlingskamps in Guinea gelebt, wo sie zeitweilig zur Schule ging.

Den ganzen Beitrag lesen »

Das Wohl der Familie

von Alice Behrendt

Zwei Frauen erhalten eine individuelle FamilienberatungDer Tag beginnt mit guten Neuigkeiten: Das Maedchen, ueber das ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, ist aus dem Koma aufgewacht. Ihr Zustand verbessert sich stetig und vermutlich kann sie morgen wieder nach Hause. Das eigentliche Problem, ihr gewaltaetiger Eheman, ist jedoch nach wie vor nicht aus der Welt geschafft. Sie moechte ihren Mann nicht fuer die schwere Koerperverletzung vor Gericht bringen, obwohl es nicht das erste Mal ist, dass sie krankenhausreif gepruegelt wurde. In Liberia haben Menschen wenig Vertrauen in das Justizsystem und leider zu vollem Recht: die meisten Anklagen “verschwinden” auf Nimmerwiedersehen in der Buerokratie, sobald der Taeter auf den richtigen Knopf drueckt, das heisst der richtigen Person Bestechungsgelder zukommen laesst. Selbst wenn die Faelle von den Vereinten Nationen unterstuetzt werden, dauert es haeufig unglaublich lange, bis eine Verhandlung stattfindet und dann faellt der notduerftig geschulte Richter meistens ein Urteil zu Gunsten des Taeters, besonders da die jungen Maedchen, von ihren Familien unter Druck gesetzt, sich im entscheidenden Moment nicht trauen, eindeutig gegen den Mann Stellung zu beziehen. Auch in diesem speziellen Fall wird das Maedchen, sobald ansprechbar, von ihren Eltern dazu aufgefordert, zu ihrem Ehemann zurueckzukehren.


Den ganzen Beitrag lesen »

 1 2 »