Keine Bilder können den Schmerz hier wiedergeben
von Freddy Hansmann - Administratorin
Dr. Unni Krishnan, Plans Experte für die Koordinierung von Soforthilfe in Katastrophengebieten, unterstützt in Japan unsere Kollegen von Plan Japan. Er berichtet uns von seinen Eindrucken aus Sendai.
Wir sind in Sendai, im Nordosten Japans. Über 8.000 Tote und Tausende Vermisste gibt es in dieser Gegend und die Zahlen der Verletzten steigen. Hilfsorganisationen schätzen, dass 100.000 Kinder vermisst werden, von ihren Eltern getrennt oder aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wurden.
Mit jedem Tag, der verstreicht, wird das Ausmaß der Katastrophen deutlichter. Es sieht nicht gut aus. Ich habe in zahlreichen Katastrophengebieten gearbeitet, in Kriegen und Epidemien. Ich war vor Ort nach sieben heftigen Erdbeben sowie in vier Ländern nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean, außerdem in Afghanistan und Gaza. Aber nichts kann einen auf die Realität hier vorzubereiten. Es bricht einem fast das Herz.
Normalerweise arbeitet Plan nicht in einer Industrienation. Aber das ist eine beispiellose Katastrophe, die beispiellosen Einsatz erfordert. Fast 16 Millionen Menschen leben an dem Küstenstreifen, der gleich von mehreren Katastrophen getroffen wurde. [Lest hierzu auch den Beitrag auf Plan Deutschland, Anm. d. Admin.]
Extreme Wetterbedingungen und die Knappheit an Benzin erschweren die Hilfe. Wir sprechen von Tausenden Kindern und Erwachsenen, die ohne warme Kleidung und nicht ausreichend geschützt sind. Es ist über eine Woche her seit der Mehrfachkatastrophe und die Zeit rennt den Überlebenden davon.
Die Desaster betreffen alle.
Dennoch sind Kinder diejenigen, die es am schlimmsten trifft. Wiederholte starke Nachbeben und die Angst vor den Störfällen in mehreren Atomreaktoren verstärken die Ängste der Kinder. Helfer in den Notlagern berichten uns, dass die Kinder immer wieder fragen, ob es bald noch weitere, größere Tsunamis oder Erdbeben geben wird und was mit dem Atomreaktor passiert.
Während die Güter verteilt werden, die in Situationen nach einer Katastrophe schlicht zum Überleben notwendig sind, wie Medikamente, Nahrung und Wasser, ist es genauso wichtig, den unsichtbaren Nöten zu begegnen. Wir müssen Emotionale Erste Hilfe und psychosoziale Betreuung für diejenigen anbieten, die in solchen Situation am Verwundbarsten sind, wie Kinder und Frauen.
Koordination der Hilfe
Begleitet von Prof. Machiko, einer Psychologin und ihrem Ehemann Prof. John Morris von der Miyagi Gaukin Frauen Universität in Sendai, trafen mein Team und ich die Vertreter der lokalen Schulen. Einige dieser Schulen werden in dieser Woche wieder öffnen und die Lehrer wissen nicht, wie sie den Schülern begegnen sollen. Ich teilte meine Erfahrungen über die emotionalen Auswirkungen auf Kinder in Katastrophen und Krisen mit ihnen. Man lud mich ein, aus dem Stehgreif einen kurzen Workshop mit ihnen durchzuführen.
Ich erzählte ihnen, dass in Haiti die Lehrer ähnlich betroffen waren und ähnliche Unterstützung brauchten. Sie nickten zustimmend mit den Köpfen. Die wichtigsten Erfahrungen mit Kindern, die wir gemacht hatten, um Vertrauen aufzubauen, Angst zu bewältigen und mit dem Leben weiterzugehen, griffen sie für sich auf. Aber das japanische Volk braucht wirklich keinen Crash-Kurs in Sachen Innovation! Schnell kamen sie mit eigenen Vorschlägen, wie sie diese Botschaften für ein größeres Publikum aufbereiten könnten, zum Beispiel in Radiosendungen und Cartoons.
Am Sonntagnachmittag trafen wir in Sendai andere Organisationen und die lokale Regierung. Die Koordinierung wird sehr ernst genommen und jeder versucht, jegliche Fehler zu vermeiden. Unkoordinierte und unangemessene Hilfe richtet Schaden an. Während dieses Treffens, äußerten auch einige japanische Organisationen ihre Sorgen. Die Hilfe komme nicht bis in die entlegenen Gebiete. Die Zeit läuft ab für die Überlebenden dort.
Fortsetzung folgt …
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