Zwischen Spaß und Ernst im Camp Corail

von Maike Roettger

“Ich habe zwei Schultern, einen Kopf und zwei Beine”, schmettern unzählige helle Kinderstimmen. Eifrig gehen ihre kleinen Hände am Körper hoch und runter, die Augen auf die beiden Lehrerinnen gerichtet. Szenen aus einer Vorschule, wie überall auf der Welt, doch diese steht im Flüchtlingslager Corail in der Nähe der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben leben dort noch immer geschätzte 10.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder.

Die Sonne brennt auf den steinigen, staubigen Hang, an dem sich die Zelte aneinander reihen. Die drei festen Vorschulzelte, in denen Plan International Vorschulunterricht für die Drei- bis Sechsjährigen anbietet, wirken wie eine kleine Oase in der Ödnis. Abwechslung, Bildung und viel Spaß haben die Kinder dort in ihrem oft auch eintönigen Alltag.

Wenn der 25 Jahre alte Jusme sagt: “Ohne Plan hätten die meisten von uns keine Möglichkeit gehabt zur Schule zu gehen”, dann meint er damit auch Projekte, wie diese Vorschulen, die nach der Katastrophe die Kinder fördern. Er selbst nimmt schon seit Jahren teil an einem Jugend-Medien-Projekt von Plan, das seit 1973 in Haiti mit Kinderpatenschaften in den Gemeinden Hilfe zur Selbsthilfe leistet. In den Medienprojekten lernen Kinder und Jugendliche Radio, Fernsehen, Computer und Internet zu nutzen, um unter anderem auch ihre eigenen Forderungen über die Medien durchzusetzen. “Das Erdbeben hat mir meine Verantwortung gezeigt”, sagt Jusme jetzt. Gemeinsam mit seinen Freuden kümmert er sich um die Kinder in den Gemeinden. Sie bieten nicht nur ihre Hilfe an, sondern geben auch ihre Bildung und ihr Wissen weiter.

Der Lageralltag wird unterdessen zur Normalität. Noch immer fehlt eine funktionierende Regierung, die Entscheidungen für den Wiederaufbau fällt. Doch die Versorgung mit sauberem Wasser, medizinischer Hilfe, Schulen und Vorschulen wird in den Lagern von den Hilfsorganisationen aufrecht gehalten.

In Corail ist Plan nicht nur für die Vorschulen, sondern auch für die Cholera-Bekämpfung zuständig. Mit Erfolg: Die 900 gemeldeten Infizierten überlebten dank der schnellen Versorgung.

Ärztin Christiane Moreira ist allerdings noch zurückhaltend. “Wenn die Karnevalsfeiern vorbei sind und die Menschen überall unterwegs waren, könnte sich die Cholera wieder stärker ausbreiten”, sagt sie. Die beiden Mitarbeiterinnen aus dem Cholerazelt, im sie gerade sechs Kranke behandelt haben, haben dennoch keine Angst vor eigener größerer Ansteckungsgefahr. “Wichtig ist, dass man sich die Hände wäscht”, sagen sie lachend.



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