Land des Monats Sudan – Heimkehr in den Süd-Sudan

von Freddy Hansmann - Administratorin

Rohan Kent, Plans Experte für Katastrophenrisikomanagement ist im Süd-Sudan, um die Situation in den Lagern zu überwachen, in denen Tausende Rückkehrer auf ihrer Heimreise in den Süden Halt machen.

“…Werde ich in die Schule gehen können?”, fragt ein junges Mädchen in scharfem Ton auf Arabisch.

Ich wandte meine ganze Aufmerksamkeit der Stimme der 10 Jahre alten Awvoi zu. Die Kleine ist vor kurzem mit ihren fünf Familienmitgliedern von Khartoum in den Süd-Sudan gereist. Die Familie war während der vergangenen 58 Tage unterwegs, zunächst auf der Straße und anschließend in überfüllten Booten auf dem Wasser.

Die Boote wurden angemietet, um den Menschen dabei zu helfen, aus den Städten im Norden in den Süd-Sudan heimzukehren. Auf ihrem Kahn waren 500 Menschen, es gab sechs Latrinen und die Reisenden mussten während der neuntägigen Reise unter offenem Himmel schlafen. Das ist kaum die Nilkreuzfahrt, von der man träumt.

Moskitos und Sorgen um die Zukunft

Die Moskitos waren schlimm, erinnert sich Awvoi und zeigt auf die Stiche auf ihrem Arm. Und es war schwer zu schlafen mit all den Menschen auf dem Kahn. Auf ihrer Reise kam die Familie 48 Tage in einem Übergangslager unter,  und nun lebt sie in einem staubigen Parkhaus, das als behelfsmäßiges Empfangszentrum fungiert. Dort wartet sie auf den Transport zu ihrem endgültigen Ziel. 

Die Erwachsenen haben sich vom Bettgestell, auf dem ich sitze, erhoben, um die entschlossene junge Stimme Awvois an der Unterhaltung teilhaben zu lassen. Das Mädchen und seine 6 Jahre alte Freundin Ajok haben sich neben mir niedergelassen.  

“…Ich mag die Schule wirklich … aber jetzt da ich hier bin – an diesem seltsamen Ort –vermisse meine Freunde, die ich fast jeden Tag in der Schule gesehen habe … Glauben Sie, dass ich in der Lage sein werde, eine Schule zu besuchen, wie ich es in Khartoum getan habe?”

Ich sage ihr, dass ich es hoffe und dass wir gerade dabei sind, alles zu planen, damit es genau so sein wird. Unsere Teams vor Ort haben Programme entworfen, um den Rückkehrern Bildung und Ausbildung zu ermöglichen. Wir hoffen, auch Plans aktuelle Ausbildungs- und Trainingsprogramme für technische Berufe durchführen zu können. Diese sollen jungen Menschen, die praktische Fähigkeiten für die Erhaltung einer Anstellung erlernen wollen, fortlaufende Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

In den vergangenen Woche hat unser kleines Team einiges an Strecke zurückgelegt, hauptsächlich durch Teile des Östlichen Equatoria State und einen schnellen Abstecher in den Jonglei State. Wir haben eine schnelle Bewertung der Situation von den organisierten und spontanen Rückkehrern aus dem Norden oder angrenzenden Ländern wie Kenya, Uganda oder dem Kongo zurück in den Süden Sudans vorgenommen. Sie alle legen ihre Hoffnungen in die Erwartung einer neuen Nation. 

 Überbleibsel des Krieges

Während unserer Reise konnten wir die deutlich sichtbaren Überreste des Krieges sehen. Kinder spielen auf rostigen alten Panzern. Wir sind an vielen Minenfeldern vorbeigefahren, deren rote, dreieckige Warnschilder aus dem hohen Buschgras hervorragten. Sie erschienen mir allesamt zu nah an den kleinen Dörfern aus Lehm und Grashütten gelegen. Trotz allem sind es nicht nur die Erinnerungen an den Krieg, die wir bemerken, sondern eher ein anderes Erbe, nämlich der fehlende Zugang zu Bildung.

Als wir den Kindern für die Zeit, die sie sich für uns genommen haben, danken, unsere Sachen zusammenpacken und beginnen, uns wieder auf den Weg zu machen, winkt Awvoi uns nach und ruft in klarem, ungebrochenem Englisch: “Auf Wiedersehen und hoffentlich bis bald.”



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