Sudan: Stimme für den Frieden
von Antje SchröderJohn Kamari ist Schüler der von Plan unterstützten Juba Technical High School, der ersten Berufschule im Süden Sudans. Der 19-Jährige hat sich für die bevorstehende Volksabstimmung registrieren lassen und hofft auf einen Wandel in seiner Heimat. Ab dem 9. Januar stimmen die Menschen im Süden des Landes ab, ob sie sich vom Norden des Sudans loslösen. Wahlberechtigt sind alle Südsudanesen, die sich bis Anfang Dezember haben registrieren lassen.
Krieg und Vertreibung
Wie John sehnen sie sich viele Südsudanesen nach einem besseren Leben in einer Region, die von Konflikten und Vertreibung gezeichnet ist. „Während des Krieges konnte ich nicht zur Schule gehen und etwas für meine Zukunft tun“, erzählt der Berufsschüler. „Wir mussten uns im Busch verstecken, über uns flogen Granaten. Wir hatten keine Ahnung, wie wichtig Bildung ist. Es gab nur Krankheit, keine Freude. Meine Mutter starb und meinem Vater fiel es schwer, meine Geschwister und mich zu versorgen. Ich konnte erst nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens 2005 nach Juba zurückkehren. Darum bin ich in meinem Alter noch in der Sekundarstufe. Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, würde ich jetzt vielleicht studieren oder arbeiten.“
Reintegration von Kindersoldaten
Während des über 20-jährigen Bürgerkriegs waren mehr als 20.000 Kindersoldaten in Sudan im Einsatz, noch heute zählen rund 900 Minderjährige zu Kampftruppen. Durch Schulungen und Berufsangebote hat Plan ehemalige Kindersoldaten wieder in ihre Gemeinden integriert. 150 Schülerinnen und Schüler besuchen wie John die Technical High School in Juba, dem Verwaltungszentrum des Südens. Sie wird von Plan mit 4,2 Millionen US-Dollar unterstützt und ermöglicht Mädchen und Jungen, insbesondere ehemaligen Kindersoldaten, eine berufliche Ausbildung in ganz unterschiedlichen Bereichen wie der Elektrotechnik oder dem Hotelfach.
Hoffnung auf ein besseres Leben
John Kamari freut sich über seine Eintragung ins Wahlregister. Die Volksabstimmung sei sehr wichtig für die Entwicklung des Südens und der 19-Jährige kennt niemanden, der sich nicht hat registrieren lassen: „Wir brauchen die Wahl und Teilhabe am Friedensprozess. Ich bin stolz, denn dies ist unsere Chance auf eine bessere Zukunft.“
Das Ergebnis des Referendums muss laut Gesetz innerhalb von 30 Tagen nach Ende der Abstimmung verkündet werden. Ob der Frieden mit dem Norden hält, weiß niemand. John ist zuversichtlich „Vielleicht ändert sich das Leben nach der Volksabstimmung. Wir wissen es nicht. Wir beten fest für einen Wandel. Wir brauchen Frieden und das Referendum ist der Schlüssel dazu. Ich studiere Bauwesen an der 2010 eröffneten Juba Technical High School und werde von Plan unterstützt. Nach dem Abschluss würde ich gern als Baumeister in Juba arbeiten.“
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