Geetas Café

von Freddy Hansmann - Administratorin

Der 2. Dezember ist der Internationale Tag für die Abschaffung der Sklaverei. Obwohl das System der ausbeuterischen Kinderarbeit in Nepal seit 2000 verboten ist, gehört Kinderarbeit für viele Tharu Mädchen weiterhin zum Alltag. Arbeitstage von 16 bis 18 Stunden sind die Regel. Sie heißen deshalb auch “Kamalari – hart arbeitende Frau”. Wie viele andere Mädchen aus Nepal auch ist Geeta als Kind zur Zwangsarbeit des Kamalari-Systems gezwungen worden und musste Jahre des Missbrauchs aushalten. Heute betreibt sie ein Café und blickt dank der Unterstützung von Plan in eine glänzende Zukunft.

“Es war schwer. Es war sehr schwer.” So beschreibt Geeta ihre sieben Jahre lange Arbeit bei einem einheimischen Lehrer ihres Süd-Nepalesischen Dorfes. Die Armut ihrer Familie zwang Geeta in einen “Kamalari-Vertrag”. Hinter dem Kamalari-System steckt eine alte Tradition, die junge Mädchen des Tharu-Stamm dazu zwingt, weit entfernt von ihren Familien in Haushalten zu arbeiten.

Diese “Verträge” werden üblicherweise mündlich geschlossen und basieren auf gegenseitigem Vertrauen zwischen der Familie und dem “Meister”. Geeta begann ihre Arbeit als Kamalari, als sie 12 Jahre alt war. Sie arbeitete vom Sonnenaufgang bis spät in die Abendstunden, für einen jährlichen Lohn von 700 Nepalesischen Rupien (rund 10 USD bzw. 7,60 Euro).

Bedrohung und Beschimpfung

“Es war unmöglich, dieser Situation zu entfliehen. Trotz der ganzen Beleidigungen und Bedrohungen gab es nichts, was ich hätte tun können. Mein Herr hatte gute Kontakte, er kannte einfach jeden. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen für meine Familie, wenn ich ihn verlassen würde.”

“Was hätte ich schon tun können?” fügt ihr Vater hinzu. “Wir hungerten damals, als der Vertrag gemacht wurde. Land zu besitzen, bedeutet alles in dieser Region. Es gibt keine andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.”

“Zu der Zeit als es passierte, arbeitete ich als Handwerker in den umliegenden Dörfern. Aber die Leute wissen, dass du vom Stamm der Tharu bist; sie bezahlen dir ein absolutes Minimum. Ich habe auch für Unternehmer gearbeitet, die ihr Wort nicht hielten. Ich habe eine Zeit lang gearbeitet und am Ende erhielt ich keine Bezahlung. Sie wussten, dass ich ein Tharu war und dass niemand reagieren würde.” 

Plan hilft

Mit 21 wurde Geeta aus dem Kontrakt entlassen: Sie startete ihr eigenes Unternehmen und beschäftigt darin ihre gesamte Familie. Wenn das Geschäft besonders gut läuft, helfen auch ihre Freunde mit. Durch Plan’s Kamalari-Abschaffungs-Programm konnte Geeta ein Straßencafé pachten. Plan unterstützte sie bei der Einrichtung und kümmerte sich in den ersten drei Monaten um das Projekt, bis Geeta’s Familienbetrieb schließlich sich selbst versorgen konnte.

Bisher hat Geeta insgesamt 32.000 Rupien erwirtschaftet – ungefähr das 46fache als bei ihrer Arbeit als Kamalari.

Es wird besser

“Dinge ändern sich. Dinge werden besser. Bereits im letzten Jahre haben drei weitere Menschen einen ähnlichen Vertrag mit Plan unterschrieben und betreiben ihr eigenes Geschäft. Die Mädchen kommen wieder in ihr Dorf nach Hause. Die Atmosphäre ist anders, die Leute fühlen sich sicherer, sie werden nicht mehr ausgebeutet.”

Und wie fühlt es sich an, sein eigener Chef zu sein?

“Gut. Es fühlt sich gut an.”



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