Cholera bekämpfen – keine Alltagsarbeit
von Freddy Hansmann - Administratorin
Plan Internationals Katastrophen-Koordinator Dr. Unni Krishnan beschreibt, wie vielseitig die Herausforderungen in Haiti sind, wie sie den Mitarbeitern Alles abverlangen und neuen, ganz anderen Gefahren aussetzen.
Am Port au Prince Airport macht sich unser vierköpfiges Team bereit für den Flug mit einer gecharterten Maschine nach Ouanaminthe. Ouanaminthe liegt in der Region Cap Haitien im Nordosten Haitis. Diese Region ist heftig von dem Ausbruch der Cholera betroffen, bereits über 1.250 Menschen sind allein dort durch die Krankheit gestorben.
Unser Team besteht aus mir, Maria, einer Ärztin und Kollegin aus Spanien mit umfassender Erfahrung in der Behandlung von Cholera, Dorris, einer Spezialistin für Wasser und Sanitär aus Ecuador und Sandra von Plan Haiti. Ich habe schon zuvor in der der Koordinierung bei Cholera-Ausbrüchen gearbeitet – aber was sich hier in Haiti entwickelt, ist schwer in Worte zu fassen. Derzeit bin ich als Leiter des Cholera-Teams zuständig. Zusätzlich zu unseren Mitarbeitern, die stets vor Ort arbeiten, beschäftigen wir auch Gesundheitsexperten und Ärzte.
Am Flugplatz traf ich Ärzte aus dem Internationalen Zentrum für Diarrhöe-Forschung in Bangladesch. Viele von ihnen sind ebenfalls hier, um die Cholera zu bekämpfen.
Das kleine, verrostete Flugzeug ist bis unters Dach mit Hilfsgütern beladen – 1.000 kg Pakte mit Medikamenten zur Rehydratation, Seife und anderen Materialien. Wir legen die Sicherheitsgurte an, ich rieche Seife.
Plan arbeitet seit 30 Jahren in Haiti, unter anderem in Ouanaminthe in der Nähe der Grenze zur Dominikanischen Republik. Cholera ist keine komplexe Wissenschaft für sich – es ist eine Krankheit, die vermeidbar ist (die meisten Menschen erholen sich relativ schnell wieder, wenn sie sofortige, einfache Rehydratation und Behandlung im kritischen Zustand erhalten). Aber, ein schwaches Gesundheitssystem, eine limitierte Infrastruktur, die während des Erdbebens zusammenbrach und andere Desaster, Proteste und fehlendes Verständnis machen es sehr kompliziert, Hilfestellung in dieser Notlage zu geben. Gewalt und Virus sind eine tödliche Kombination.
Beengte, schmutzige Bedingungen in den sich ausdehnenden Camps in der Stadt sind ideale Brutstätten für Krankheiten. Gleichermaßen machen es die isolierten, ländlichen Gebiete hier im Norden unglaublich schwer, die Menschen überhaupt zu erreichen. Diejenigen, die sich mit Cholera infiziert haben, können innerhalb weniger Stunden sterben, wenn sie nicht behandelt werden. Cholera ist für viele Generationen neu in Haiti.
Auf dem Flug nach Ouanaminthe
Unser eigentlicher Flug nach Cap Haitien wurde abgesagt, weil der Flughafen aufgrund der eskalierten Proteste und Gewalt gegen die UN für wenige Tage geschlossen wurde. Unser dreißigminütiger Flug verläuft gut, aber plötzlich geraten wir in Schlechtwetter und Turbulenzen. Unser Kapitän sagt, wir können nicht landen. In einer Höhe von 10.000 Fuß (3.048 Meter) zählt er drei Möglichkeiten auf: Zurückfliegen nach Port-au-Prince, in Cap Haitien landen oder versuchen, in Santo Domingo im Nachbarland zu landen. Ein dünner Moment mitten in der Luft – drei mögliche Optionen und Ziele!
Die Zeit rennt davon und eine schnelle Entscheidung ist nötig. Ich schaue auf einen zerknitterten Schwarz-/Weiß-Ausdruck von Haiti, wäge die Optionen ab und 30 Sekunden später entscheide ich, das alternde Flugzeug nach Cap Haitien abzusenken. Meinen besorgten Kollegen versichere ich, dass es nur ein paar Minuten dauern wird. Die zuversichtliche Stimme des Piloten unterstützt meine Worte. Wir kämpfen uns durch das schlechte Wetter und landen sicher! Der Jubel vom erleichterten Team dauert mehr als eine ganze Minute. Wir schütteln der Crew die Hände und umarmen einander.
Die Kollegen, die uns eigentlich auf der Landebahn in Ouanaminthe erwarten, lenken die Fahrzeuge nach Cap Haitien um. Aber draußen vor dem Flughafen bemerken wir eine Gruppe Menschen, die sich für Demonstrationen zusammen schließen. Sie sind mit Motorrädern unterwegs und sehen ziemlich aufgebracht aus. Unser Sicherheitschef in Port-au-Prince Alex rät, erstmal im Inneren des Flughafens zu bleiben, bis er von der UN Hinweise darauf erhält, ob die Lage sicher ist.
Weitere Demonstranten und ungute Nachrichten aus Port-au-Prince
Auf der Straße von Cap Haitien nach Fort Liberte erspähen wir noch weitere Demonstrationen wegen der bevorstehenden Wahl. Die Haitianer machen sich für die kommende nationale Wahl am 28. November bereit. Es liegt Angst in der Luft. Das Sicherheitsupdate von Alex: “Vier chilenische Mitglieder einer Nichtregierungsorganisation wurden in Port-au-Prince von einer Gruppe Gewaltbereiter angegriffen.” Das sind keine guten Nachrichten und wir beobachten noch stärker unsere Umgebung bis wir endlich sicher ankommen.
Wir treffen Kollegen von Merlin und Pan American Health Organisation und besprechen die Einsatzpläne. Wir brauchen einen Notfallplan, um unsere Arbeit fortzusetzen, falls alles zusammenbricht. Die Zeit muss auf unserer Seite sein im Kampf gegen Cholera, jede Minute zählt und die Zeit rennt.
Dr. Unni Krishnan für Plan auf Twitter
Dr. Unni Krishnan twittert für Plan live aus Haiti. Folgt @Plangermany auf Twitter und erfahrt mehr von der Arbeit unserer Katastrophenexperten in Haiti Dr. Unni Krishnan und Damien Queally von Plan Irland.
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2. Januar 2011 um 16:02
Lieber Dr. Krishnan,
gut, dass es Menschen wie Sie und Plan gibt, damit die Ärmsten der Armen wenigstens etwas Hilfe erhalten. Danke an alle Spender, die das erst ermöglichen. Wenn auch die Milliardäre dieser Welt hier helfen würden, wäre es ein Segen für die armen Kinder dort.
Herzliche Grüße und weiterhin viel Glück,
V. Kötter
3. März 2011 um 18:14
Ich wünsche den Menschen in Haiti und allen Helfern Mut und Kraft.
In einer Fernsehsendung (BBC/The World Challenge)wurde u.a. über den “Jompy” berichtet, ( “The Jompy is a win-win technology, where householders can cook a meal whilst killing bacteria in dirty water at the same time”) – ob der wirklich so gut und sicher ist? Bestimmt keine Neuigkeit, alle Hilfsorganisationen sind ja über nützliche Entwicklungen informiert.
Viel Glück!
Erika S.