Tag des Teilens
von Eva Bulgrin
Heute ist ein großer Tag für 25 Frauen in einer kleinen Gemeinde im Department Couffo im Südwesten Benins. Es ist die 56ste Woche des Spar- und Kredit-Programms einer dörflichen Vereinigung (AVEC) und damit der “Tag des Teilens”. Die Frauen tragen zur Feier des Tages alle ein Gewand aus dem gleichen bunten Stoff – es wirkt fröhlich. Das Essen für die anschließende Feier steht bereit.
Als ehemalige Praktikantin bei Plan Deutschland und aktuelle ASA-Stipendiatin in einer lokalen Nicht-Regierungs-Organisation im Benin, hatte ich die Möglichkeit Projektbesuche des Mikrokredit-Programms von Plan Benin in Kooperation mit dem Beninischen Zentrum für die Entwicklung von Basisinitiativen (CBDIBA) zu unternehmen.
Ziele des Spar- und Kredit-Programms AVEC, welches auch in anderen Ländern Westafrikas durchgeführt wird, sind die wirtschaftliche Sicherung auf Ebene der Haushalte, Kreditvergabe und Hilfestellung für seine Mitglieder in Notfällen. In die Praxis umgesetzt heißt das: Ins eigene Sparbuch einzahlen, Kredite in Anspruch nehmen und einen Beitrag zur Solidaritätskasse leisten.
Die Frauen dieser Gemeinde gehören der Ethnie Adja – nach einem Königreich benannt – an, welches auch die lokale Sprache ist. Benin weist mit 42 verschiedenen Bevölkerungsgruppen und lokalen Sprachen eine große ethnische Diversität auf.
Die Projektleiterin, die ich hier her begleitet habe, übersetzt regelmäßig für mich ins Französische. Auch erschließt sich mir vieles in Bildern, weil der Vorgang so anschaulich ist.
Die Versammlung begann früh morgens und nun ist die Mittagszeit schon lange überschritten. Die Frauen haben sich einen Schattenplatz unter einem Baum gesucht und sehen mittlerweile müde aus. “Ca y’est!” Die Summe aus individuellen Ersparnissen und dem Plus aus Zinsen ist ausgezahlt, was hier “Tag des Teilens” genannt wird. Der Kreis hat sich geschlossen und in zwei Wochen beginnt ein neuer Zyklus.
Diese Summe aus Ersparnissen wie Zinsen am Ende eines Zyklus dient den Mitgliedern, ebenso wie die Kredite selbst während des Projektverlaufs, als Startkapitel für einkommensschaffende Maßnahmen, wie beispielsweise für die Produktion von Palmöl, die Verarbeitung von Maniok in Gari oder kleine An- und Verkaufunternehmen.
Jetzt kann gefeiert werden. Die Präsidentin der Vereinigung hat Reis und Fisch für uns zubereitet und während wir verköstigt werden, feiern die Frauen ebenfalls mit Speis und Trank.
Ein anderer Tag, ein anderer Ort
Wir besuchen eine Gemeinde im Departement Atacora im Nordwesten Benins. Hier leben die Bariba, die viertgrößte Bevölkerungsgruppe Benins.
Als wir in das Dorf eintreffen, sieht man die Frauen bereits erwartungsvoll unter einem Baum sitzen. Bei unserer Ankunft stehen sie auf und begrüßen uns singend, klatschend und tanzend. Die guten Wünsche nehmen wir mit einer überkreuzten Armbewegung über der Brust an und geben Sie an die Frauen zurück.
Das Programm hier ist noch relativ jung – ungefähr acht Wochen – und bisher wird lediglich ins Sparbuch eingezahlt. Denn bevor Kredite in Anspruch genommen werden können, braucht es ein Kapital, aus welchem diese gezahlt werden können.
Jede Frauenvereinigung legt einen Minimalbetrag für das individuelle Sparbuch, gemessen am Mitglied mit den geringsten Mitteln, fest. In diesem Fall sind es 200 CFA, welches ungefähr 30 Cent entspricht. Dieser Betrag kann bis zu fünffach im Zwei-Wochen-Rhythmus eingezahlt werden.
Darüber hinaus wird ein kleiner feststehender Beitrag in die Solidaritätskasse eingezahlt. Dabei handelt es sich um einen Fonds, aus dem bspw. Kosten für Arztbesuche oder für Schulbücher für die Kinder der Frauen bezahlt werden können.
In der Mitte der Gruppe sitzen zwei Zählerinnen, zwischen ihnen eine große eiserne Kasse, in der sich ein grüner Beutel für individuelle Ersparnisse, ein blauer für die Solidaritätskasse und ein orangefarbener für Zinsen befinden. Auch die Präsidentin, der Sekretär und die Kassenführerin sind präsent und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Analphabetenrate in der Zielgruppe beträgt teilweise bis zu 100%, weshalb die Rolle des Sekretärs manchmal von einem Mann, der lesen und schreiben kann, übernommen wird, weil es nötig ist die Ein- und Ausgänge schriftlich festzuhalten.
Teilnehmen können alle Frauen der jeweiligen Gemeinde, welche eine einkommensschaffende Maßnahme durchführen wollen und finanziell glaubwürdig sind.
Plan Benin und die lokale NRO Beninisches Zentrum für die Entwicklung von Basisinitiativen (CBDIBA) schauen seit 2007 auf eine fruchtbare Kooperation und verhelfen zahlreichen Familien im Benin in ihre Zukunft zu investieren und sich selber vor wirtschaftlichen Einbrüchen zu schützen.








