Flut in Pakistan – Besonders schwierig ist die Situation für Mädchen und Frauen
von Freddy Hansmann - AdministratorinShmyalla Jawad, Gender-Expertin, Plan Pakistan berichtet von ihren Eindrücken der Flüchtlingscamps in Pakistan. Als Gender-Expertin achtet sie dabei vor allem auf die Lage für Frauen und Mädchen.
“Die Bewohner Pakistans erleben die schlimmste Flut seit 80 Jahren. Nahrungsmittel und Notunterkünfte werden dringend benötigt. Aber während viele es bei materieller Hilfe belassen, müssen sich Frauen und junge Mädchen zusätzlich mit kulturellen Schwierigkeiten auseinandersetzen, die sie so nicht kennen.
Ich habe in den letzten Tagen einige Flüchtlingscamps in Layyah im Süden Punjabs gesehen. Es war eine herzzerreißende Erfahrung. Ich war entsetzt über die Bedingungen, in denen die Menschen leben. Am meisten hat mir zu denken gegeben, was Frauen und junge Mädchen erleiden. Sie sind von solchen Situationen immer am stärksten betroffen.
Gesundheit und Sanitär sind ein großes Thema. Ein Camp, das in einem Regierungsgebäude aufgeschlagen wurde, hat keine Waschräume. Während Männer und kleine Kinder sich draußen auf dem Schulgelände waschen können, gibt es für Frauen keine solche Möglichkeit.
Viele Menschen hatten keine Chance, ihr Hab und Gut mitzunehmen als die Flut ihre Dörfer traf, also haben sie keine Kleidung zum Wechseln. Sie tragen noch immer das, was sie am Leib hatten als sie ihr Zuhause verließen. Ohne diese säubern zu können, verschlechtert sich die Hygienesituation der Frauen zusehends. Für Frauen, die menstruieren oder schwanger sind, ist es umso schlimmer.
Eine schwierige Situation für Mädchen und Frauen
Die Flüchtlingscamps sind besonders schwierig für Frauen und Mädchen. Viele von ihnen waren noch nie in der Gegenwart von Männern, die nicht Teil der Familie sind. Jetzt sind Hunderte vollkommen Fremder um sie herum. Abgesehen von dem religiösen Hintergrund des Sich-Bedeckens und der Vermeidung von Kontakt mit Männern außerhalb der Familie, ist die Auffassung der Ehre eng verbunden mit der Geschlechtlichkeit der Frauen, die eine mögliche Bedrohung der Familienehre darstellt. Die Trennung der Geschlechter, die purdah, wird deshalb von der Gesellschaft genutzt, um die Ehre der Familie zu beschützen.
Aber in den Flüchtlingscamps gibt es keine Vorkehrungen für purdah. Jungen und Mädchen müssen in denselben Räumen schlafen, manchmal direkt nebeneinander. Die meisten Mütter und Familien befürchten, die Camps seien nicht sicher für ihre Töchter, besonders in den derzeitigen Umständen.
Die von der Überschwemmung Betroffenen versuchen ihr Bestes, um mit der Situation umzugehen. Große Sorgen sind, was man für die Fortsetzung der Bildung ihrer Kinder tun kann, wie sie ihr Leben wiederaufbauen, ihre Häuser und Gemeinden, wenn sie zurückkehren.
Dennoch bin ich hoffnungsvoll; die Nothilfe setzt gezielt an. Spenden und Hilfsgüter kommen an. Auch wenn wir noch einen langen Weg zu gehen haben, wir müssen sichergehen, dass die Hilfe effektiv, effizient und ohne unnötige Verzögerung verteilt wird. Ich glaube, wir sollten alles, was wir können, tun, um sie dabei zu unterstützen.”
***
Plan leistet Nothilfe in den Bezirken Rajanpur, Muzaffargarh und Layyah der Provinz Punjab sowie in Thatta, Ghotki und Khairpur in der Provinz Sindh. Mit erfahrenen lokalen Partnerorganisationen werden dringend benötigte Hilfsgüter wie Wasser, Lebensmittel, Zelte und Medikamente verteilt. Handpumpen und Latrinen werden installiert, um eine Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Die medizinische und psychosoziale Betreuung der Kinder sowie ihr Schutz vor Missbrauch ist ein Schwerpunkt der Nothilfe von Plan.
Plan bittet um Spenden für seine Nothilfe in Pakistan:
Plan International Deutschland e.V.
Postbank Hamburg
Konto-Nr. 0001623207
Bankleitzahl 20010020
Stichwort “Pakistan/Flutkatastrophe”
Oder spenden Sie online.
Plans Nothilfe kann auch per SMS unterstützt werden: Einfach eine SMS mit dem Kennwort PLAN an die Nummer 81190 senden und den Nothilfe-Fonds von Plan mit 5,- Euro unterstützen.
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25. August 2010 um 17:19
“Als Gender-Expertin achtet sie dabei vor allem auf die Lage für Frauen und Mädchen.”
Schöne “Gender-Expertin”!
Frauenbeauftragte währe der richtige Ausdruck!
Als “Gender-Expertin” hätte sie beide Geschlechter zu beachten!
Keine “Genderkompetenz” ?
26. August 2010 um 09:01
Hallo Aventin,
natürlich hast Du Recht. Gender-Experten achten auf beide Geschlechter.
Bei Plan verstehen wir den Genderaspekt so, dass sowohl auf die bestehenden Verhältnisse geachtet wird (Gender Mainstreaming) als auch auf ganz spezifischen Benachteiligungen (Gender Targeting). Das kann auch eine Benachteiligung von Männern und Jungen sein und bezieht sich nicht automatisch auf Frauen und Mädchen.
Bei einer Katastrophe schauen wir verstärkt nach den Schwächeren, und unseren Erfahrungen nach sind es in solchen Situationen häufiger Frauen und Kinder, die benachteiligt werden. Unsere Gender-Experten haben sowohl die Lage für Frauen und Männer, Mädchen und Jungen im Blick.
27. August 2010 um 14:20
Ja es sind immer die Frauen, die benachteiligt werden.
Wahrscheinlich von den bösen Männern?
Es gibt schon NGOs, die Wasser vorrangig an Frauen
und Kinder verteilen (Oxfam).
Das mit dem Gendern solltet ihr mal mit den Taliban
besprechen?
Und dann lese ich auf RP-Online ” Weiterleben nach der Flut”,dass “Viele Frauen seien zu Witwen geworden, weil ihre Ehemänner noch das Vieh oder den Hausrat retten wollten oder bei den Rettungsaktionen für ihre Familien ihr Leben verloren…”
Aber es sind immer die Frauen benachteiligt.Immer!
Aber durch die Genderbrille betrachtet passt das Bild.
So langsam kann ich die Islamisten verstehen.