Theater-Workshop hilft jungen Haitianern

von Kristie van de Wetering

04. August 2010 – Hunderte junge Haitianer haben an einem Theater-Workshop teilgenommen, der als Stressbewältigungstherapie nach dem Erdbeben eingesetzt wird. Kristie van de Wetering berichtet aus Haiti.

Er kam auf die Bühne, trug eine überdimensionale, rosa Brille und lustige Hosen. Angestrengt versuchte er eine Broschüre zu lesen, die er nur wenige Inches vor sein Gesicht hielt. Das Publikum brach sofort in Gelächter aus. Der 16-jährige Jordon spielt einen von vielen Sketchen in der Abschlussaufführung des Theater-Workshops, an dem er im Rahmen von Plans psychosozialem Programm nach dem Erdbeben vom 12. Januar teilnahm.

Den emotionalen Stress bewältigen

Durch das Zentrum für psychosoziale Bildung und Training (CEFEPS) und Plan haben nahezu 500 junge Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren aus Jacmel und Croix-des-Bouquets an Theater-Workshops teilgenommen. Die Kurse sind Teil der Stress-Bewältigungs-Therapie.

“Wiederaufbau ist so viel mehr als nur physische Wiederherstellung. Es reicht nicht, Häuser und Schulen wiederherzustellen; es bedeutet auch den Wiederaufbau der Menschen, psychologisch, sozial und emotional”, erklärt Julie Grier, Plans Expertin in Sachen psychosoziale Betreuung in Haiti.

Erfahrungen teilen

Der Workshop hilft den Kindern, sich selbst darzustellen und Erfahrungen mit anderen auszutauschen. Er hilft ihnen, emotionale Reaktionen in schwierigen Situationen zu erkennen und wie man sie ausdrücken kann. Diese Aktivitäten stärken auch die Gemeinschaft unter den Kindern, indem man sie ermutigt, sensible Themen und Gefühle mit anderen zu teilen; dadurch realisieren sie, dass sie nicht allein sind.
 

Der Gewalt entgegenwirken

Nicht nur, dass es den Kindern durch den Heilungsprozess weiterhilft, das Theater ist auch eine einzigartige Möglichkeit, ihnen wichtige Botschaften über Kinderrechte mitzugeben, weitere Punkte, wie Rechte für Menschen mit Behinderungen, Umweltschutz usw., werden thematisiert. Eine der Gruppen von jungen Schauspielern sprach einen sehr ernsten Bereich an, mit dem viele aus ihrer Gemeinde umgehen müssen: Gewalt gegen Kinder und Frauen.

In einem düsteren Sketch nutzten die Jugendlichen die Metapher von Sklavenfesseln (etwas, mit dem sich die meisten Haitianer einfach identifizieren können), um zu demonstrieren, welche Auswirkungen Gewalt in einer Gemeinde hat. Am Ende zerbrachen die Fesseln, weil sich die Menschen weigerten, Gewalt als einen normalen Bestandteil ihres Lebens anzuerkennen.
 

Theater auch in anderen Gegenden

Plan und CEFEPS führen die Arbeit mit den Theatergruppen und den jungen Menschen weiter, um auch in anderen Gegenden, in denen Plan tätig ist, Schauspielgruppen aufzubauen. Vor allem in den Gebieten, die vom Erdbeben betroffen sind. Die freiwilligen Helfer werden durch die Gegend ziehen und Theaterstücke, die eine Botschaft haben, vor wichtigem Publikum aufführen.

[Demnächst: Die Eindrücke der Lage auf Haiti von unserem Kollegen Ulrich Hermanski]



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