Goudou Goudou – das bedeutet “Erdbeben” auf Kreol
von Kristie van de Wetering
30. Juli 2010 – Es sind sechs Monate seitdem Goudou Goudou auf Haiti vergangen. Vor dem 12. Januar gab es kein Wort für “Erdbeben” im haitianischen Kreol; jetzt gibt es eins.
Ich hatte gehofft, meine Gedanken früher aufschreiben zu können, aber erst jetzt gibt es einen ruhigen Moment, um durchzuatmen und meine Gedanken, Ideen und Erinnerungen, die in meinem Kopf kreisen, auf Papier zu bringen. In all dem Wahnsinn vergessen wir viel. Aber an jeder Ecke wird man daran erinnert und der Gedanke, dass es vielleicht, nur vielleicht, wieder passieren wird, schlummert unter der Oberfläche.
Beängstigende Erinnerungen
Ich traf eine Freundin zum Mittagessen. Sie war für ein paar Tage in der Stadt – das erste Mal seit dem 12. Januar, diesmal mit ihrem neugeborenen Mädchen. Als wir saßen, fingen die Menschen plötzlich an zu schreien und stürmten zur Tür. Stühle flogen, Getränke und Essen wurden auf dem Boden verstreut. Es war kein Beben. Nur ein großer LKW, der vorbeidonnerte. Unser Mittagessen haben wir im Auto auf dem Parkplatz gegessen.
Ich denke, wir haben die Pflicht, uns zu erinnern, nicht nur um derjenigen zu gedenken, die uns genommen wurden, sondern auch um sicher zu gehen, in welchem Ausmaß auch immer, dass wir das “nächste Mal” besser vorbereitet sind. Gleichzeitig haben wir aber auch die Pflicht und Verantwortung, uns nicht von den Erinnerungen paralysieren zu lassen. Wir müssen emotional genauso heilen wie physisch, mit dem Stress umgehen lernen und mit unseren Leben weitermachen.
Die Balance finden
Kinder nehmen Teil an Plans Aktivitäten in den kinderfreundlichen Schutzzonen. Das Erdbeben hat uns gezwungen, eine Bilanz zu ziehen – darüber nachzudenken, was wir hatten, was wir verloren haben, was wir aber immer noch haben. Es zwang uns, unsere Prioritäten zu überdenken und was wirklich im Leben zählt; das Leben ist kurz und wir müssen das Beste daraus machen. Wir alle suchen verzweifelt die Balance – eine Balance, die umso wichtiger wurde seit dem 12. Januar.
Den Unterschied machen
Es ist nicht einfach, die realen und alltäglichen Herausforderungen hier wiederzugeben. Sie waren schon vor dem Beben zahlreich und sind seither nur mehr geworden. Wie auch immer, inmitten all der Schwierigkeiten haben wir Fortschritte gemacht.
Plan ist ein entscheidender Partner für das Bildungsministerium geworden und hat dazu beigetragen, dass über 15.000 Schüler wieder zum Unterricht gehen, das fängt bei der Bereitstellung von vorübergehenden und semi-permanenten Klassenzimmern an.
Wir haben mehr als 26.000 Kinder gegen die Hauptgesundheitsrisiken wie Typhus, Diphtherie und Tetanus geschützt. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit gewährleisten wir Zugang zu Gesundheitsvorsorge für Tausende von Menschen, viel davon schwangere Frauen.
Emotionale Unterstützung
Plan ist eine der führenden Organisationen, die sich um emotionale und psychosoziale Stärkung kümmert – es gibt 30 kinderfreundliche Schutzzonen für über 4.500 Kinder. 975 Bildungsexperten und 100 freiwillige Jugendliche wurden für den psychosozialen Support geschult. [Dazu mehr nächste Woche im Blog]
Ich könnte so weitermachen. Der Punkt ist, Plan verändert und bewegt hier etwas und wird damit weitermachen, auch wenn es lange dauert und uns vor große Herausforderungen stellt – das war vor dem Beben so, das ist es jetzt und das wird auch in Zukunft so sein.
Die letzten Artikel von Kristie van de Wetering:
- Theater-Workshop hilft jungen Haitianern - 13.08.2010
- Haiti: Ich möchte dir sagen, wie ich heiße - 23.03.2010







