WM der Straßenkinder: Die finalen Tage

von Mary Matheson

Die Strelitzia Schule am Rande von Durban: Beim Training brennt die Sonne auf das philippinische Team. Müde und erschöpft haben sie zwar die Herzen Südafrikas gewonnen, aber kein einziges Spiel.

Die Stimmung stieg, als sie in den Schatten gehen und zusammen mit einheimischen Kindern singen, tanzen und an Workshops teilnehmen.

Als es Zeit ist, zu gehen, bitten die Schulkinder Erica, die Mannschaftskapitänin, ihre Krawatten zu unterschreiben.

Später führt der Energieschub in der Schule zu einem erstaunlichen 6:2 Sieg gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft der Straßenkinder. Am Ende des Tages interviewen wir Erica und ihre Mannschaftskameradin Dalisay.

Meine Euphorie hat ein jähes Ende, als die 15-jährige Daisay mir über den Missbrauch erzählt, unter dem sie bei ihrem Stiefvater leiden musste. Ich bin entsetzt, als dieses süße junge Mädchen mir erzählt, dass sie auf die Straße geflüchtet ist, um ihm zu entkommen.

Ich mache diesen Job schon 20 Jahre und kann mich glücklich schätzen, so viele  außergewöhnliche Menschen zu treffen und ihre Lebensgeschichten zu hören. Aber ich kann mich nie daran gewöhnen, von den schrecklichen Geschichten zu erfahren, die manchen Kindern passieren.

Fußball Power
Als sie mit ihrer Geschichte endet, umarme ich sie und frage, ob ich sie zu ihrer Betreuerin begleiten soll, weil ich dachte, sie bräuchte jetzt etwas Trost. Aber sie lächelt und lehnt ab. Sie hat ein paar Jungs gesehen, die Fußball spielen und möchte dort mit machen.

Ich bin überrascht aber froh und erinnere mich an ihre Antwort auf meine erste Frage: “Wie fühlst du dich, wenn du Fußball spielst?“  – “Ich kann alle schrecklichen Dinge aus meiner Vergangenheit vergessen.“

Ich versuche, ihrem Beispiel zu folgen und schaue mir das nächste Spiel an.

Workshop mit den Straßenmädchen
“Atama!” ruft Hellen Tombo, die Lobby-Expertin von Plan in Afrika. Alle Leute im Raum klatschen einmal in die Hände. “Labako!” Wir klatschen vier Mal, “Senorita!” Wir klatschen zehn Mal und alle Frauen und Mädchen im Raum kugeln sich vor lachen.

So sieht Helens Aufwärmübung für diesen Workshop über Gewalt gegen Straßenmädchen aus. Es ist das erste Mal, dass sich das Gleichgewicht der Geschlechter in der männerdominierten Weltmeisterschaft der Straßenkinder neu geordnet hat. Und die Mädchen lieben es.

Sie tragen “Because I am a Girl…“ Caps und T-Shirts. Wir feiern diese Mädchen. Aber wir haben auch ein höheres Ziel – wir helfen ihnen ein Manifest zum Schutz von Straßenmädchen zu formulieren.

Plans Workshop zum Schutz von Straßenmädchen
Als die Mädchen die häufigsten Angreifer aufschreiben, kommen immer dieselben Worte auf: Männer, Polizei, Stiefeltern, reiche Menschen, Partner. Es ist schockierend.

Sie zeichnen einen Baum und auf die Äste schreibt jedes Team Lösungen für die Gewalt, der sie als Mädchen auf der Straße ausgesetzt sind: Korrupte Polizisten entlassen, schärfere Gesetze gegen gewalttätige Erwachsene, sich vor Drogen und Kriminalität zurückhalten. Mehr Liebe und Respekt, bessere Straßenbeleuchtung, mehr soziale Projekte. Die Liste ist lang.

Aber alle Teams bringen einen gemeinsamen Nenner: Schutzzonen

Das Endspiel
Alle sind so sehr in Diskussionen und Arbeit vertieft, dass wir die Zeit überschreiten.  Schnell rennen die tansanischen Mädchen los, um sich für das Spiel umzuziehen.

Sie sind sehr enttäuscht, als sie im Finale gegen Indien verlieren. Aber kurze Zeit später sehen wir, wie sie ganz stolz ihre “Because I am a Girl…“ T-Shirts und Caps tragen.

Wir wollten diesen Mädchen eine Stimme geben und sie ergriffen die Chance mit beiden Händen. Eine der Mädchen aus Tansania sagte selbstbewusst: “Es wird besser werden, wenn Kinder, wie ich, sich engagieren und den Mädchen auf der Straße helfen.“ Ich bin mir sicher, dass sie es auch tun wird.



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