Hochzeitsglocken in Haiti
von Heidi Reed
Am Freitag erhielt ich in Croix-des-Bouquets einen unerwarteten Anruf. Ich sollte unbedingt am späten Nachmittag in Port-au-Prince sein. Guerdy, die Personalleiterin von Plan Haiti, hatte vor zu heiraten und ich sollte helfen Fotos zu machen. Eine Kollegin von Plan Kanada, ein weiterer Kollege vom Plan-Büro und ich machten uns auf den Weg.
Nach einer langen verkehrsreichen Fahrt erreichten wir die Kirche. Ich konnte kaum glauben, dass wir am richtigen Ort waren. Neben der Kirche lag der allergrößte Trümmerhaufen, den ich jemals gesehen habe – ungefähr zehn Meter hoch. Und oben drauf lagen ineinander verheddert, ein paar verbogene Stühle. Die Stühle waren klein, gerade mal groß genug für Kinder. Erst jetzt realisierte ich, dass hier die Schule der Kirche zusammengefallen war. Der Geruch von Tod lag in der Luft – ein Geruch, wie man mir sagte, den man unmöglich vergisst.
Guerdy war noch nicht da, als wir ankamen. Auch fehlten noch viele der Kolleginnen und Kollegen von dem Plan Büro in Port-au-Prince. Wahrscheinlich steckten sie im Verkehr fest. Während wir warteten, machte ich Fotos von den Brautjungfern, die in ihren hübschen weißen Kleidern aus der Kirchentür herausschauten. Durchs Objektiv betrachtet, könnten sie überall stehen, außer hier in der zerstörten Welt. Als Guerdy ankam, fotografierte ich sie durch das Autofenster. Ich wusste, dass Sie Angehörige bei dieser Tragödie verloren hatte, aber jetzt strahlte sie vor Glück. Es war ihr Tag und nichts, nicht einmal ein verheerendes Erdbeben, konnte ihr das nehmen.
Die Hochzeitszeremonie in der riesigen Kirche – mit ihrem von Wellblech und Stahlträgern gesicherten Dach – war wunderschön. Die Planmitarbeiter erreichten endlich die Kirche, alle in ihren blauen Plan-T-Shirts. Sie füllten zwei lange Bankreihen.
Das ist es, was ich an Plan am meisten liebe: Zu wissen, dass die überwiegende Mehrheit unserer Kolleginnen und Kollegen in den Programmländern tatsächlich aus diesen Ländern stammen. Im Falle von Haiti brachten die Mitarbeiter den Kindern in den Gemeinden ausgesprochen viel Empathie entgegen, weil sie ähnliche Gefühle und Ängste durchlebt hatten. Selbst wenn ich nicht jedes Wort verstand, das der Prediger auf Französisch durch das hallende Mikrofon sprach, glaube ich eine Sache verstanden zu haben: Auch wenn sich das Leben in allerkürzester Zeit ändern kann, ist es wichtig für uns, die Zeit wertzuschätzen, die wir miteinander verbringen und die Liebe, die wir teilen können, zu würdigen.
Ich weiß nicht, was meine Kolleginnen und Kollegen von Plan Haiti seit dem 12. Januar alles gemeinsam durchgemacht haben. Aber, als ich zu ihnen hinüberschaute, wusste ich nur, dass es wichtig war, zu sehen, wie sie jetzt lächelten, sich gegenseitig die Arme auf die Schultern legten und ihre Freundin Guedy unterstützten.
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