Haiti: Hoffnung für die Zukunft

von Heidi Reed

Das erste Mal traf ich Myriam Valme Joseph von Plan Haiti vor zwei nordischen Sommern, als sie für eine kurze Zeit im Büro von Plan USA arbeitete. Ich hatte Gelegenheit, sie zu interviewen und mehr über die beachtlichen Herausforderungen zu erfahren, vor denen die Kinder in Haiti stehen. Als wir uns verabschiedeten, ging ich davon aus, dass ich sie nicht wiedersehen würde.

Nachdem ich von dem Erdbeben erfahren hatte, galt mein erster Gedanke Myriam. Während ich in meinem Wohnzimmer saß und die Nachrichten im Fernsehen und die Neuigkeiten bei Facebook und Twitter auf meinem Laptop verfolgte, fragte ich mich, was sie und ihre Familie gerade durchmachen.

Ich wusste, dass Myriam eine starke haitianische Frau war, die ihren Uni-Abschluss in Europa absolvierte und nach Hause zurück gekehrt war, um das Land, das sie liebte zu unterstützen. So war ich gar nicht erstaunt, als in einem Film von Plan sah, wie sie Lebensmittel und Hilfsgüter verteilte und erzählte, wie sie nach dem Erdbeben nach Hause geeilt war, um dort ihren Mann vorzufinden, der seine Familie aus den Trümmern befreite, auch ihre junge Tochter.

An meinem ersten Tag in Haiti traf ich vor dem Programmbüro von Croix-des-Bouquets zufällig auf sie. Sie saß hinter einem Laptop und arbeitete zusammen mit ihren Kollegen. Viele von ihnen hatten ihr Zuhause verloren, und Angehörige – und traurigerweise auch eine Kollegin. Ich war mir nicht sicher, ob sie sich noch an mich erinnerte, aber ich umarmte sie trotzdem und richtete ihr die Grüße meiner Kolleginnen und Kollegen von Plan USA aus. Das Gemeindezentrum hinter ihr war halbwegs eingestürzt. Die Trümmer ragten aus der Eingangstür.

Gestern kehrte ich wieder zurück, um Myriam an derselben Stelle zu treffen. Sie hatte mir geholfen, ein Gespräch mit fünf Jugendlichen zu organisieren. Die jungen Menschen hatten sich bereit erklärt, mit mir über ihr Leben vor und nach dem Erdbeben zu sprechen. Im Schatten eines großen Baumes saß ich zusammen mit den drei Mädchen und zwei Jungen und mit meiner Kollegin, einer Expertin für Kinderschutz und Partizipation von Plan Ecuador.

Ich filmte die Jugendlichen nicht, stattdessen reichte ich ihnen meinen Camcorder, damit sie die Journalisten sein konnten. Sie hatten vorher noch nie eine Kamera in der Hand gehalten, also zeigte ich ihnen kurz, wie sie funktioniert. Sie wechselten sich ab mit Fragen und Antworten in Kreol und ein Gemeindehelfer übersetzte ihre Worte in Französisch und Englisch. Ein Junge erzählte, dass vor dem Erdbeben sein Berufswunsch Pilot war. Aber jetzt, nach diesen Ereignissen, ist sein Traum zerplatzt. Er muss seine Zukunft neu überdenken.

„Was brauchst du, damit du wieder träumen kannst?“ fragte ich ihn und die anderen viel später, nach einer Diskussion darüber, was Haiti benötigt, um wieder aufgebaut zu werden. Der Konsens war klar: Sie alle wollten einen Ort haben, an dem sie zur Schule gehen können. Das würde ihnen wieder Hoffnung geben, dass es für sie eine Zukunft gibt, sagten sie.



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Ein Kommentar zu “Haiti: Hoffnung für die Zukunft”

  1. Claudia von der AG FFB
    26. Februar 2010 um 12:50

    “Was brauchst du, damit du wieder träumen kannst?”
    Das ist eine sehr schöne Frage, denn sie richtet den Blick der Kinder auf die Zukunft. Und auf Wege, die sie aus dem erfahrenen Schrecken und Elend führen könnten. Und wie eindeutig ist die Antwort! Wie hilfreich als roadmap für Plans Arbeit, für die ich von ganzem Herzen Erfolg wünsche – damit auch Kinder in Haiti wieder träumen können…

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