Heidi in Haiti: Der erste Tag

von Heidi Reed

Heidi Reed aus der Programmabteilung von Plan USA löst Steve Theobald in Haiti ab. Sie wird eine Woche lang die Kollegen von Plan Haiti bei der Pressearbeit unterstützen.

Die Busreise von der Dominikanischen Republik nach Haiti entwickelte sich zu einer langen aber faszinierenden achtstündigen Fahrt. Der klimatisierte Bus war voller heimkehrender Haitianer, die seit dem Erdbeben keine Chance hatten, ihre Familien zu besuchen.

Eine Mischung aus Angst und Aufregung überkam mich wegen der unbekannten Erfahrungen, die mich in Haiti erwarteten. Ich vertrieb die Zeit mit einem Gespräch mit einer Haitianisch-Amerikanischen Familie aus Brooklyn, New York. Sie erzählten mir, wie die Schwester mit ihrem Baby auf der Dachterrasse war, als das Erdbeben passierte. Und wie sie beide das dreistöckige Gebäude hinunter rollten, ohne einen Kratzer abzubekommen.

Sobald wir Haiti erreichten, änderte sich die Landschaft dramatisch. Direkt hinter der Grenze bedeckte hoch gewirbelter Kalk aus den naheliegenden Minen die Blätter der Bäume. Es sah wie eine verschneite Winterlandschaft aus.

Heute, an meinem ersten Tag in Haiti, besuchte ich zusammen mit einem auf Kinderschutz spezialisierten Kollegen eine Zeltstadt in Croix-des-Bouquets. Dort richtet Plan zusammen mit den Partnergemeinden, die dort untergebracht sind, eine kinderfreundliche Zone ein. Am Eingang zum Camp wurde ich herzlich begrüßt. Wir sprachen Französisch und das bisschen Kreol, das ich unterwegs aufschnappte. Ich fragte, ob sie mir das Camp zeigen könnten und sie willigten gerne ein. Die Zelte standen dicht beieinander, aber es gab eine breite “Hauptstraße“ und kleine, sich schlängelnde “Nebenstraßen.” Es war kein richtiges Camp und auch keine Stadt, eher ein Dorf.

Einige Zelte hatten Verzierungen, wie zum Beispiel ein kleines Stück Stoff mit der Aufschrift “Happy Holidays.” Eine selbst gehäkelte Decke war zu einer attraktiven Seitenwand geworden. Eine Frau kann überall ein Zuhause einrichten, dachte ich bei mir. Und trotzdem verdient jede Frau ein Heim, das sie und ihre Familie schützt. Dies ist für Haiti eine dringende Notwendigkeit.

Kurz bevor ich gehen muss, kommt ein kleiner Junge vorbei. In der Hand ein perfekt geometrischer Drachen, den er aus Stöcken und Band hergestellt hat. Inmitten dieser provisorischen Zeltstadt hatte er etwas gebastelt, das wunderschön war und fliegen konnte.



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Ein Kommentar zu “Heidi in Haiti: Der erste Tag”

  1. Julia
    4. März 2010 um 12:23

    Die Not in Haiti ist riesig. Die Situation in Haiti darf nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn es schon fast zwei Monate nach dem Erdbeben verlaufen sind. Das Land muss wiederaufgebaut werden. Dazu wird sehr viel Geld und Engagement von vielen Menschen.

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