Haiti: Wie mit den Schmerzen umgehen?
von Steve Theobald
Die wiedereröffneten Apotheken in Haiti können keine Wunderpillen für die Menschen bereitstellen. Nach drei Wochen hat der Schmerz über den Verlust von Angehörigen, Häusern, der ganzen Stadt, wenn überhaupt, nur ein klein wenig nachgelassen.
Meine Freunde und Kollegen können inzwischen etwas länger darüber reden, bevor Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ihnen die Tränen in die Augen treiben. Hier geht es eindeutig um mehr als Trauer. Ich habe in der vergangenen Woche nur eine einzelne Beerdigung gesehen. Die Sicherung der öffentlichen Gesundheit erforderte Massenbestattungen.
Kummer ist definitiv kein Freund von Geselligkeit. Die Menschen brauchen dringend Ablenkung, damit sie in den kleinen Zeitfenstern ihre Wunden heilen können. Die Fernsehstationen sind wieder auf Sendung, aber die meisten Menschen haben noch immer keinen Strom, um auf den “überlebenden“ Fernsehern ihre Lieblingsprogramme zu schauen. Die meisten Generatoren sind zerstört und der Wille, diese zu reparieren ist gering, da Benzin immer noch unbezahlbar ist.
Fernsehen könnte die ultimative Betäubungshilfe sein, aber die alltägliche Routine bietet auch einige Möglichkeiten an. Die Menschen wandern ziellos durch die Straßen. Sie verlassen sich auf den “Autopiloten“, um gedanklich abschalten zu können.
Ablenkung durch Fußball
Die allerbeste Ablenkung für die Menschen in Haiti wäre sicherlich der Fußball. Die brasilianischen Kicker sind die Lieblinge aller Länder, die keine eigene Nationalmannschaft vorweisen können, dazu gehört auch Haiti.
Die nächste Fußballweltmeisterschaft findet im Juni in Südafrika statt. Als ich ihn dazu frage, wirkt mein Kumpel plötzlich niedergeschlagen bei dem Gedanken, dass wohlmöglich das schwer beschädigte Stromnetz nicht rechtzeitig repariert werden könnte.
Dann erheitert ihn die Vision von Menschen, die Großleinwände an öffentlichen Plätzen installieren und jedes Spiel übertragen. Genau wie 2006, nur dass dieses Mal die Bildschirme riesengroß wären.
Es wäre toll, wenn wir das Stromnetz sofort wiederaufbauen und die Weltmeisterschaft im Februar austragen könnten. Dann hätten die Haitianer einen Grund, ihr Leben wieder zu genießen.
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