Haiti: Kindern Sicherheit geben
von Steve Theobald
Es ist normalerweise recht einfach, die Monster unter den Betten zu vertreiben – in der Regel hilft da schon ein Nachtlicht. Die Kinder in Haiti kämpfen mit einer völlig anderen Gattung Monster – und diese kommen von oben. Dafür gibt es keine schnelle Lösung.
Ein sicheres Dach über dem Kopf sollte eigentlich selbstverständlich sein. Für die meisten Kinder – und auch für die Erwachsenen – änderte sich das mit dem Erdbeben vor drei Wochen grundlegend.
Selbst wenn ein Haus komplett intakt erscheint, trauen sich die Kinder nicht, es zu betreten. Und sie haben Recht. Wo immer Du hinschaust, campieren die Familien unter freiem Himmel in Zelten oder provisorischen Unterkünften. Manchmal direkt neben ihrem Haus, wenn dort Platz ist. Die Erwachsenen halten sich manchmal ein paar Minuten im Haus auf, immer auf der Hut vor einem Beben. Drinnen zu schlafen ist aber Tabu.
Es wird Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis klar ist, welche Gebäude sicher sind und welche lieber abgerissen werden sollten. Es wird mindestens genauso lange dauern, den Kindern zu helfen, ihre Albträume zu verarbeiten.
Freiwillige in Aktion
Ich traf eine Gruppe von 35 jungen Menschen – 18 bis 24 Jahre alt – die schon mit der Arbeit begonnen haben. Sie hatten in ihrer Jugend mit Plan zusammen gearbeitet und halfen als Gemeindehelfer/innen den direkten Kontakt zu den Gemeinden aufzubauen. Jetzt sind sie Studenten an der Universität oder Lehrkräfte, ohne Arbeit.
Nach dem Erdbeben kamen sie schnell zusammen und halfen Plan zunächst bei der Verteilung von Lebensmitteln, Zelten und anderen Hilfsgütern. Jetzt werden sie von Experten ausgebildet – Ärzten und Psychologen, die auf die Arbeit mit Kindern nach Katastrophen spezialisiert sind. Einige wurden aus den Plan-Büros anderer Länder eingeflogen. Das Ziel: den Gemeindehelfer/innen ein Training zu geben, bei dem sie lernen, wie sie die Kinder emotional und bewegungstherapeutisch unterstützen können. Liegegeschwüre können töten, darum ist es lebensnotwendig, die bettlägerigen Kinder zu behandeln.
Sichere Zonen für Kinder
Genauso wichtig ist es, dass diese jungen Menschen gerade dabei sind, sichere Zonen für die Kinder zu schaffen, in denen sie lachen und spielen können. Die Helfer/innen gestalteten den Tag und leiten Spiele und Übungen mit den Kindern. Eine Garnrolle und ein paar Blatt Seidenpapier reichten aus, um eine Gruppe von 100 Mädchen und Jungen zum Kichern zu bringen. Ein paar Handgriffe und Bingo: Rosa Nelken. Das ist wahre Magie.
Kinder sind schnell gewillt, vor der Gruppe herum zu springen und Singspiele anzustimmen. Diese Szene spielt sich in einer gemütlichen Ecke ab, mit Rasen und vielen Bäumen. Keine zerstörten Gebäude oder Mauern sind in Sichtweite. Drei winzige Welpen laufen herum und haben auch ihren Spaß.
Am Rande der Szene fühlen sich die Angehörigen der Kinder viel wohler als zuvor. Ihre Kinder lachen zu sehen, erinnert sie an bessere Zeiten. Sie benötigen diese Pause in diesen schweren Tagen mindestens genauso dringend wie die Kinder. Und ich auch.
Ein Team vom ARD war vor Ort und hat am 2. Februar über die sicheren Zonen von Plan im Mittagsmagazin berichtet.
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