Wasser ist alles: Den Berg hinauf
von Alf Berg
“Wir bewässern nie“, sagt Batisse Dassa. Die Mutter von drei Kindern wohnt nur wenige Kilometer von Siriphato Otiso entfernt, aber sie könnte genauso gut auf einem anderen Planeten leben. Ihre Familie hat weit weniger Land als Siriphato, verantwortlich für die Not der Familie ist jedoch der Mangel an Wasser. Er ist auch der Grund, warum alle in der Familie stets Hunger haben. Er ist der Grund, warum sie Gelegenheitsjobs in anderen Haushalten annehmen müssen. Und er ist der Grund, warum sie keine Zeit haben, sich um ihre eigene Landwirtschaft zu kümmern. Ihr Haus ist in einem derart desolaten Zustand, dass es jeden Moment zusammenfallen könnte.
“Wir bewässern nie, weil es kein Wasser gibt“, sagt Batisse. Der nächste Wasserlauf ist klein und hundert Meter entfernt in einem Tal. Man kann dort Trinkwasser holen, aber für die Bewässerung reicht es nicht. Batisse hängt allein vom Regenwasser in der Regenzeit ab. In letzter Zeit hat es allerdings sehr wenig geregnet.
“Es reicht nicht, wenn es einfach regnet. Es muss auch zur richtigen Zeit regnen. In letzter Zeit kam der Regen später als üblich. Dann ist es heiß und die Sonne brennt. Unsere Bohnen können nicht gedeihen, wenn sich der Regen verspätet, auch wenn es dann genug Wasser gibt“, erklärt Batisse die Situation.
Ihr fällt auf, dass sich die Jahreszeiten verschoben haben: “Gerade in dieser Generation hat sich vieles verändert. Wir haben in der Regenzeit weniger Niederschlag als unsere Eltern. Und wenn der Regen doch kommt, dann nur sporadisch. Manchmal stirbt unser Getreide schon in der Wachstumsperiode ab. Viele der ärmsten Familien in der Gegend haben die Bäume weiter oben auf dem Berg gefällt. Wenn es nun nach einer längeren Trockenzeit regnet, wäscht die Erde aus. Sie wirft dann schlechtere Erträge ab, als in der letzten Generation. Selbst wenn die Saison gut verläuft, können wir keinen Überschuss produzieren und Geld ansparen. Leider scheint es noch schlimmer zu werden. Die letzten drei oder vier Jahre waren unerträglich. In den vergangenen zwei Jahren hat es praktisch gar nicht geregnet.“
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