Wir setzen Cumbana auf die Landkarte

von Linda Raftree

Ich arbeite mit 55 Jugendlichen an dem Kunst- und Medienprojekt in Cumbana, einem Dorf rund 450 km nördlich von Maputo, der Hauptstadt von Mosambik.

Wenn Sie jemals versuchen würden “Cumbana“ zu googeln, fänden Sie Informationen über einen Fotografen mit diesem Namen oder Links zu Hotels an nahegelegenen Stränden, mehr nicht. Das war Teil unserer Internet-Session am Dienstag mit den Jugendlichen. “New York“ zu googeln brachte ganz andere Ergebnisse. Aber warum?

Wir fragen die Jugendlichen: Warum gibt es keine Informationen zu Cumbana? Sie kamen zu dem Schluss, dass man nur Sachen im Internet findet, die jemand hochlädt. Und niemand hat sich jemals bemüht etwas über Cumbana einzustellen. Das bedeutete, dass diese Jugendlichen eine große Verantwortung tragen, weil sie diejenigen sein werden, die Cumbana auf die Landkarte setzen.

Was bedeutet das? Sie werden mit Kunstwerken und Medienberichten auf ihre Themen aufmerksam machen, aber sie werden auch diejenigen sein, die Cumbana definieren.

Der Zugang zum Internet, sei es per Laptop oder Handy, ist ein Riesenhit bei den Kids. 75 Prozent von ihnen waren vorher noch nie online. Wenn es nach den Jugendlichen gegangen wäre, hätte diese zweistündige Session den ganzen Tag dauern können. Die Vorstellung, sich selbst auf die Landkarte zu setzen scheint sie in derselben Art anzusprechen wie für uns eine eigene Seite bei Facebook einzurichten. Es geht darum, die eigene Identität zu entwickeln.

Aber je mehr erscheint, umso klarer wird, dass Bürgerjournalismus zum Verhängnis werden kann (s. Fort Hood). Es war super, die Debatten über Ethik im Journalismus zu erleben, die letzte Woche stattfanden. Der Kurs wurde hervorragend von Jeremias von Radio Mosambik moderiert. In seinem Kurs diskutierten die Jugendlichen ganz wild darüber, ob man das Gesicht eines Diebes zeigen dürfe. Viele glaubten, das würde ihn bestrafen und die Gemeinde schützen. Jeremias entgegnete: “Wer hat in Mosambik das Recht zu richten? Eh? Das ist nicht die Aufgabe eines Journalisten. Das ist die Aufgabe des Justizsystems. Ob ihr es mögt oder nicht, so ist das.” Er sprach über die Grundregeln des Journalismus, die Menschen schützten und über die Enthüllung von Informationen und über Objektivität. “Wenn ihr hier raus geht um dort draußen in der Gemeinde zu arbeiten, müsst ihr sicher gehen, dass ihr euch alle Seiten anhört. Ihr müsst den guten Namen der Menschen schützen. Das ist unsere Verantwortung. Das ist Ethik. Ihr könnt niemanden verurteilen, bevor das Justizsystem bestimmt hat, dass sie schuldig sind.“

Während ich da saß, wünschte ich mir, dass jeder selbsternannte Bürgerjournalist diesen Regeln folgen und überlegte, ob ich es eigentlich selbst immer tat.

Die Jugendlichen wurden ermahnt Effekthascherei auszuklammern. “Oft ist es so, dass weil man als erster mit der Nachricht herauskommen möchte. Dann ist man weniger vorsichtig als Journalist“ sagte Jeremias. “Wenn wir die Bombe platzen lassen, kann es gut passieren, dass wir am nächsten Tag diejenigen sind, denen vorgeworfen wird, wir seinen nicht ethisch.“

“Also seht ihr, der Journalist steht immer unter Druck. Es ist SEHR einfach einen Rekorder zu bekommen und eine Geschichte zu machen. Es ist schwieriger, an alle Konsequenzen zu denken, die eine Veröffentlichung der Geschichte mit sich bringt. Als Journalist ist es nicht dein Zeil ist nicht berühmt zu werden, sondern Informationen weiterzugeben. Also verbannt die Idee, berühmt werden zu wollen, aus euren Köpfen.“

Jeremias ist ein weiser Mann und wir haben großes Glück, dass er unsere Journalisten trainiert.

Cumbana ist die einzige weiterführende Schule in der Region. Sie hat 4.000 Schüler/innen. Neben der Journalisten-Gruppe bietet das Projekt Theater, Musik und Tanz, Multimedia und Malerei an. Für die Kids ist es wie ein zweiwöchiges Sommer-Camp, bei denen ihre Führungsqualitäten gestärkt und ihre Leistungen in der Schule verbessert werden. Hier können sie Strategien entwickeln, wie sie die Gemeinde zu Themen ansprechen, die sie angehen. Und über Ausbildungsmöglichkeiten nachdenken, die außerhalb der Norm liegen. Das Projekt bietet den Lehrkräften die Möglichkeit, sich in anderer Form mit den Jugendlichen auseinanderzusetzen, ihre Unterrichtsmethodik und Computerkenntnisse zu verbessern. Die Projektpartner können Wissen an die Gemeinden zurückgeben und natürlich neue Talente für ihren Beruf entdecken.



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