…und dann kam der Regen.

von Alf Berg

Nach sechs Jahren Dürre in Folge erreichte letzte Woche der Regen endlich den Südwesten von Kenia. Allerdings kam er für die meisten Bauern zwei Wochen zu spät.

„Noch vor einem Monat war ich ein reicher Mann. Jetzt bin ich arm.” Der Bauer Utungo Mbitti sucht Schutz in seiner Hütte. Hinter der hölzernen Tür fällt der Regen wie aus Kübeln und verwandelt seinen Garten in eine riesige Pfütze. Wenn man sich auf Utongos Grundstück umsieht und Tiergehege und Gebäude erblickt, ist leicht zu erkennen, dass es ihm einmal gut gegangen sein muss. Aber die Gehege sind jetzt leer: Die Dürre hat ihm alles genommen.

„Gerade vor einem Monat hatte ich eine große Rinderherde mit 32 Kühen. Heute bleiben mir nur sechs von ihnen. Die diesjährige Dürre beendet die jahrelange Trockenzeit: Ich habe hier mein ganzes Leben lang verbracht. Niemals habe ich Dürren erlebt, die so lange anhielten wie jetzt. Wir hatten in der vergangenen Saison keinen einzigen Tropfen Regen. Selbst in den beiden Jahren zuvor blieb uns nichts.“

Er beschreibt die Landwirtschaft in den harten Zeiten als ein Spiel um Leben und Tod: „Wenn die Wochen ohne einen Tropfen Niederschlag vergehen, musst du eine Entscheidung treffen: Verkaufe deine Kühe zu niedrigen Preisen und verliere deine Investition in die Zukunft oder warte auf den Regen. Wenn du Glück hast, kommt der Regen. Wenn nicht, verlierst du alles. Allerdings sind viele Menschen in einer viel schlimmeren Lage als ich. Sie haben alle Rinder verloren. Viele sind selbst verhungert.“

„Gab es eine Veränderung in der Großwetterlage?“ sinniert Utungu. „Sicherlich. So etwas wie jetzt gab es nicht, als ich jung war. Ich bin seit 42 Jahren Bauer, niemals war es sechs Jahre in Folge trocken. Ich habe früher auch Dürren erlebt, manchmal töteten sie. Aber ich habe nie erlebt, dass die Menschen alles verloren, was sie hatten.“

Jedes Jahr stirbt die Vegetation mehr und mehr ab. Am Ende bleibt nichts mehr für die Kühe. Und wenn die Rinder sterben, verändert sich die gesamte Zukunft der Gemeinde: „Niemand hat Geld übrig, um zu investieren“, erklärte der erfahrene Bauer. „Selbst wenn man Rinder hat, sind diese dürr und krank – also mehr oder weniger wertlos. Gerade letztes Jahr konnte eine gesunde Kuh für 20.000 Schillinge verkauft werden. Heute kannst Du Dich glücklich schätzen, wenn Du 2.000 für sie bekommst. Gleichzeitig steigen die Preise für Vorräte – Nahrung, Kleidung für die Kinder, Transport. Alles ist teuer. Selbst wenn die Bauern wieder säen können, setzen sich die Probleme fort: In zwei Monaten werden wir Nahrung haben. Aber was passiert, wenn sie aufgebraucht ist? Wir haben keine Vorräte, alles wurde verbraucht. Sobald die Regenzeit zu Ende ist, werden wir wieder hungern.“

Auf die Frage nach Lösungen, antwortet er: „Ich weiß nicht, ob jemand, der diese Provinz regiert, über Lösungen nachdenkt. Damit die Landwirtschaft in dieser Region weiter möglich ist, müssen wir unsere Wasservorräte teilen. Wir brauchen Bewässerungsdämme, die es erlauben, Wasser zu sammeln, wenn es tatsächlich regnen sollte. Ich habe noch nichts von solchen Plänen gehört.”



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2 Kommentare zu “…und dann kam der Regen.”

  1. Edeltraud Diederichsen
    16. November 2009 um 12:13

    Es ist unglaublich – wie kann man 6 Jahre ohne Regen überleben?
    Ich bin tief gerührt und erschüttert über den Bericht. Liegt es wirklich an der weltweiten Klimaveränderung, dass so etwas vorkommt? Was kann ich als Einzelner tun? Viele Fragen bewegen mich in diesem Moment.
    Positiv finde ich, dass ich gerade letzte Woche eine Patenschaft vermitteln konnte und die junge Kollegin hat sich für ein Kind aus Kenia entschieden…
    Alles Gute und viel Kraft für die Arbeit bei Plan.
    Edeltraud Diederichsen – Aktionsgruppe Schwandorf

  2. May Evers
    23. November 2009 um 12:35

    Was wir als Einzelne tun können? Als allererstes den CO2-Ausstoß verringern, das Auto öfter mal stehen lassen und mit dem Fahrrad fahren. Denn sinkende CO2-Werte in Europa wirken sich auch auf das Klima in Afrika aus.

    Ein weiterer Grund für die außergewöhnlich große Trockenheit in Kenia ist der Kahlschlag der Wälder im Land. Hier muss die Regierung reagieren und die Vernichtung der Wälder stoppen. http://www.tagesschau.de/ausland/kenia380.html

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