Der Krieg ist vorueber – Wiederaufbau in Liberia

von Stefanie Conrad

1993 musste Plan sich aus Liberia zurueckziehen, als Rebellenfuehrer und spaeterer Praesident Charles Taylor mit seinen Truppen in der toedlichen Operation Oktopus die Hauptstadt stuermte. Waehrend der zwei blutigen Bürgerkriege, die das Land von 1989 – 2003 zerstoerten, waren etwa 15.000 Kinder Teil der Truppen: als Soldat, Lastentraeger, Koch oder Sex-Sklavin fuer die Soldaten. Drei Jahre nach Ende des Krieges fing Plan mit Hilfe von Gross- und Einzelspenden wieder an in dem total zerstoerten Land zu arbeiten. Und dieses Jahr werden nun die ersten Patenkinder aufgenommen, um langfristrige Gemeindearbeit moeglich zu machen.

Meine Mission ist es, Plan Liberia dabei zu helfen, die Wiederaufnahme der Patenschaftsaktivitaeten zu planen. Die ersten beiden Gemeinden, aus denen Patenkinder aufgenommen werden sollen, liegen in Lofa County, einem Gebiet mit Grenzen nach Guinea und Sierra Leone, das am schlimmsten von den Kriegswirren betroffen war.

Morris, Plan Liberias Programmleiter und Stephen, Projektgebietleiter von Lofa, Johnson, der neue Patenschaftskoordinator und ich sitzen seit 2 Stunden im Auto Richtung Norden als wir auf eine staubige Schotterpiste abbiegen, die weitere 5 Stunden in Richtung Voinjama fuehrt, wo das Plan Buero von Lofa liegt. Wir fahren an einem Schild vorbei “The War is over” (Der Krieg is aus). “Hier ist Gbatala, Charles Taylors ehemaliger Armeehauptsitz. Hier wurden die Kindersoldaten von den Rebellen ausgebildet.” Eine muede Liberianische Flagge, die afrikanische Version von Stars and Stripes, bewegt sich in der staubigen Luft.  Links und rechts der Strasse sitzen kleine Gruppen von Maennern um Transistorradios herum. Auch wir haben das Radio laut aufgedreht: BBC uebertraegt live Obama’s Antrittsrede. Ganz Afrika setzt seine Hoffnung auf den neuen Praesidenten der Vereinigten Staaten. Werden wir das so dringend benoetigte “Yes we can!” fuer Liberia finden?

Ich finde die Antwort als wir am naechsten Morgen in Yengema ankommen, wo unzaehlige Kinder und eine Gruppe Erwachsener, die die Gemeinde repraesentieren, uns begruessen und zuerst zur neuen Schule bringen, die Dank einer Grosspende aus Norwegen im Bau ist. Schliesslich setzen wir uns alle, um mit der Gemeinde ueber die Aufnahme von Patenkindern zu sprechen. Ich erzaehle Plan’s Geschichte; Plan’s Wurzeln im Spanischen Buergerkrieg und unsere Arbeit mit Fluechtlingskindern schaffen ein Echo fuer die nahe Vergangenheit des Landes und Plan’s aktuelle Arbeit in Liberia mit kriegstraumatisierten Kindern. Auch das Konzept von Voelkerverstaendigung und internationaler Solidaritaet ist verstaendlich; friedensschaffende Massnahmen sind Teil der Entwicklungsprogramme im Land und auch weiterhin notwendig, um dauerhafte Stabilitaet zu schaffen. Viele Familien hier haben Kinder aufgenommen, deren Eltern im Krieg getoetet wurden oder einfach verschwanden.

Zwei Frauen fragen, wie das Patenschaftsprogramm diesen Kindern helfen kann. Ich erklaere, dass das Programm der ganzen Gemeinde hilft, und nicht einzelne Kinder unterstuetzt. Aber dass Plan daran interssiert ist zu erfahren, welche Plaene die Gemeinde selbst hat, um diesen Kindern zu helfen. Denn schliesslich sind unsere Programme ja gerade fuer die Kinder da, die am schwersten zu erreichen sind! Der Gemeindeaelteste steht auf und spricht von anderen dringenden Projekten - medizinische Versorgung, Wasser, eine Strasse. Diese Diskussion ist erst der Anfang fuer weitere Gespraeche und Treffen, um einen langfristigen Gemeindeenwicklungsplan zu erarbeiten, der von Patenschaften mitfinanziert werden kann. “Wann legen wir denn mit den Patenschaften los?”, fragt der Praesident der oertlichen Jugendgruppe. “Wir sind bereit!” . Yes we can!



Die letzten Artikel von Stefanie Conrad:





 
 
 


Kommentar abgeben: