Lange vor den Wahlen in Kenia war ich in Nairobi unterwegs zu einem Abendspaziergang. Ich setzte mich hin, um eine Pause zu machen, und ein kleiner Junge setzte sich neben mich. Der Junge lebte „auf der Strasse“ und wir fingen an uns zu unterhalten. „Was machst Du denn hier?“, frage der Junge. „Nur ein kleiner Spaziergang am Abend“, antwortete ich. Der Junge schien sich über etwas Sorgen zu machen, und er sagte ernsthaft „Du solltest nicht hier sein, es ist gefährlich für Dich, nachts auf der Strasse zu sein“. Er erklärte mir, dass er selbst einen Schutzvertrag mit einem Wächter vor der Bank habe. Er bezahlt einen kleinen Betrag und darf dafür neben dem Wächter auf dem Boden schlafen: „Mach Dir keine Sorgen um mich“, sagte er, „aber Du gehst bitte zurück ins Hotel, es ist hier ja nicht sicher“.
In dieser Nacht lernte ich etwas darüber, wie Gesellschaften Kinder schützen wollen. Hier auf der Strasse war es der Junge, der auf mich aufgepasst hat. Und obwohl mich seine Lebensbedingungen erschütterten, denke ich jetzt auch daran, Kinder nicht zu unterschätzen – selbst dann, wenn wir sie beschützen wollen.