Das Lama der Freiheit
von Patricia Melendez
Nach einigen Jahren kehre ich in meine alte Heimat zurück. Dieses Mal bin ich aber nicht allein, mein Mann aus Deutschland ist mit dabei. Er ist noch nie zuvor in Südamerika gewesen. Peru, bestens bekannt als das Herz des Inkareiches, ist das erste südamerikanische Land, das er besucht.
Wir verbringen einige Tage in Lima. Diese große, chaotische Stadt ist nicht nur die Hauptstadt von Peru, sondern auch mit ihren fast zehn Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. Übrigens: Hier bin ich geboren.
Wir fahren in die Altstadt, damit mein Mann das historische Zentrum kennen lernt. “Die Stadt der Könige”, unter diesem Namen wurde die Stadt Lima von den spanischen Eroberern gegründet, gehört mit seinen prächtigen Bauten und seinen beeindruckenden Klöstern und Kirchen aus der Kolonialzeit zum Weltkulturerbe der Menschheit.
Ich führe meinen Mann auf dem “Plaza Mayor” herum, dem Hauptplatz Limas. Er wurde renoviert und modernisiert. Ich hatte einen viel schmutzigeren Platz in Erinnerung. Es hat sich was getan! Mein Mann ist von den alten Häusern sehr beeindruckt und fotografiert jedes Gebäude und alle Statuen. Dann ist die Kathedrale von Lima dran. Sie wurde ähnlich wie die Kathedrale von Sevilla in Spanien konstruiert. Im Inneren stechen die Chorstühle hervor, die verschnörkelte Kapelle der “Inmaculada” (“die Unbefleckte”) und der Christus aus Elfenbein. Fotos dürfen hier nur von außen gemacht werden.
Wir sehen uns noch den Regierungspalast und das Rathaus von Lima an. Ich bin selbst beeindruckt, alles ist sauber und gut erhalten.
Bevor wir unseren Ausflug für heute beenden, gehen wir noch auf den “Plaza San Martin”. Hier macht mein Mann eine seltsame Entdeckung. Nicht allen Touristen ist dieses kleine Detail auf dem “Plaza San Martin” aufgefallen:
“La Plaza San Martin” wurde 1921 zum hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeit Perus eingeweiht. Auf diesem Platz wurde ein Denkmal aus Bronze zu Ehren des General Don Jose de San Martin errichtet. Der obere Teil des Denkmals zeigt den reitenden Freiheitskämpfer auf dem Weg in die Anden. Das Podest besteht aus Granit und hat die Form einer abgeschnittenen Pyramide mit einem abgestuften Sockel.
Der Künstler, der dieses Denkmal entwarf, bekam zusätzlich den Auftrag, eine weibliche Statue aufzustellen. Diese Statue wurde unter San Martins Denkmal errichtet.
Diese weibliche Statue repräsentiert die Freiheit. Deshalb sollte sie über ihrem Kopf eine Flamme oder Fackel tragen “La llama votiva”, die ewige Flamme. Dies hatte der Künstler nicht richtig verstanden. Auf Spanisch hat das Wort “llama” zwei verschiedene Bedeutungen. Zum einen bedeutet es “die Flamme” zum anderen “das Lama”. Der Künstler, der die spanische Sprache nicht gut beherrschte, entschied sich, statt einer Flamme ein Lama auf den Kopf der Statue zu setzen.
Dieses Missverständnis wird bestimmt noch sehr lange Bestand haben.







