Rueckfahrt nach Monrovia

von Alice Behrendt

Über Schotterpisten in einem vollbesetzten Auto nach Monrovia.Meine Zeit in der Kleinstadt Voinjama neigt sich dem Ende zu, die Projektvorbereitungen sind abgeschlossen. An einem Samstagmorgen trete ich den langen Rueckweg ueber die Schotterpisten in einem vollbesetzten Auto nach Monrovia, der Hauptstadt Liberia’s, an. Es ist sehr heiss und nach 15 Minuten Buckelpiste gibt die Klimaanlage den Geist auf. Es gibt nur einen Ausweg: Fenster auf! Das hat jedoch in der Trockenzeit unangenehme Konsequenzen. Innerhalb kuerzester Zeit sind wir alle mit einer soliden Schicht von Staub eingedeckt. Und es ist trotzdem so heiss, dass uns der Schweiss in Baechen am Koerper runterlaueft. Wir setzen unseren Weg ohne Klimaanlage durch den wunderschoenen Regenwald fort. Die Piste ist voller Schlagloecher und tiefer Schlammfurchen und wir werden gewaltig durcheinander geschuettelt. Ich nicke trotzdem nach zwei Stunden ein – und werde durch einen kraeftigen Schlag auf den Kopf wieder aufgeweckt.

Ein besonders grosses Schlagloch hat mich bis an die Decke katapultiert. Kollege Lakika lacht mich aus: “Im Auto schlaeft man doch nicht!” Bei diesen Strassen in der Tat keine gute Idee! Ich reibe meinen schmerzenden Kopf und sehe mich um: Unser Gepaeck ist ganz und gar rot vom Staub gefaerbt, unsere Kleidung ebensfalls. Meine Kollegen erinnern an Massai-Krieger, da der rote Staub ebenfalls ihre unbedeckten Hautflaechen eingefaerbt hat. Ich fange an zu lachen, gottlob kann ich mich selber nicht sehen! Und immer noch sieben Stunden Fahrt bis nach Monrovia!

Markt am Straßenrand in AfrikaEine kleine Abwechslung meldet sich eine Stunde spaeter, als eine Tse-Tse- Fliege in das Auto schwirrt. Hastig wird angehalten und alle schlagen mit Kleidungsstuecken nach dem Insekt, bis es ueber das Rueckfenster die Flucht ergreift. Tse-Tse-Fliegen sind keine angenehmen Weggefaehrten. Sie uebertragen die Schlafkrankheit. Nach weiteren endlosen drei Stunden koennen wir endlich aufatmen: Die letzten 100 Kilometer fahren wir auf einer befestigten Strasse, umgeben von Gummibaumwaeldern. Mein Mitfahrer packt nun das Einkaufsfieber: Alle 15 Minuten wird angehalten, um Waren zu erstehen. Riesige Kohlesaecke werden aufs Dach geladen, sechs gackernde Huehner finden in einem Karton auf der Rueckbank auf dem Schoss eines Kollegen Platz. Ananas, Papaya, Wassermelonen und Flaschen mit wildem Honig rollen uns zwischen den Fuessen herum, ein halbes Reh wird neben den Kohlesaecken auf dem Dach befestigt. Auf dem Land sind Gueter wesentlich billiger als in der Hauptstadt und meine Kollegen moechten nicht mit leeren Haenden zu ihren Familien zurueckkehren.

Typische LatrinenGegen 17 Uhr kommen wir endlich in Monrovia an. Ich spuere jeden Knochen in meinem Koerper, als ich mich klebrig und verstaubt unter den Warenmengen aus dem Auto herauswuehle. Ich freue mich riesig auf eine lange, lange Dusche!! Ein weiteres Highlight: eine Toilette nach europaeischen Standard! Nach drei Wochen Latrinenbesuch gibt es kein groesseres Glueck … Bis zum naechsten Mal,

Alice



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