Kulinarische Geschenke

von Stefanie Conrad

Ein SchafIch sitze bei der grossen Moschee direkt am Meer und beobachte, wie senegalesische Kinder Schafe ins Meer treiben, um sie dort zu waschen, bevor sie zum Schlachten gebracht werden. Das Salzwasser und die gleissende Sonne bleichen das Fell. Das Bloeken der Schafe erinnert mich an eines meiner zahlreichen kulinarischen Geschenke, die mir im Laufe meiner Zeit “im Field” gemacht worden sind: das Omo-Schaf, Geschenk eines Chef-Kanton im Bezirk Est Mono in Togo.

Da stand es, bluetenweiss und duftend, auf der Veranda einer alten Schule. “Es ist uns eine Ehre”,  sagte der Chef und drueckte mir mit rauhen Haenden das Tau, das das Tier an den Pfosten band, in die Hand. Die Bewegung des Tieres loeste eine Waschmittel-Duftwolke aus. Offensichtlich hatte eine Tuete Handwaschmittel herhalten muessen, um das Tier weisser als weiss zu machen! Meine Versuche, das Geschenk abzulehnen, wurden nicht angenommen – meine Mitarbeiter wiesen mich diskret auf die Notwendigkeit hin, dass Schaf mitzunehmen. Bloss niemanden beleidigen. Mit grossem Dank und innerer Verzweiflung nahm ich Omo-Schaf in den wartenden Gelaendewagen. Koennte es denn nicht viel lieber hier bei den Kollegen in Atakpame….?? “Nein” war die kategorische Antwort meiner Kollegen: ”Das Schaf ist deins und bleibt deins!” 

Omo-Schaf ging es noch ein paar Tage bei uns im Garten gut. Meine Kinder fuetterten es mit Salzstangen, bis es wenig spaeter von unserem Hausangestellten Kalif geschlachtet wurde und in den Kochtoepfen seines weiteren Familienkreises landete – und dem unseren. Ich konnte Omo-Schaf ebensowenig essen, wie das tiefgekuehlte Guerteltier, das mir der Prefekt von Blitta ein paar Monate vorher geschenkt hatte. Monatelang verbrachte es, feinsaeuberlich in drei Teile gehackt, in meinem Tiefkuehlgeraet. Bis irgendwann der Strom zu lange ausfiel – und es antaute. Wer hat es dann zu guter Letzt noch gegessen? Ich weiss es gar nicht mehr.



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2 Kommentare zu “Kulinarische Geschenke”

  1. stefanie conrad
    21. März 2008 um 10:24

    Mein guter Kollege Joe hat mich darauf hingewiesen, dass es keine Guerteltiere in Afrika gibt, sondern das Monstrum ein Schuppentier gewesen sein muss! Und schuppig war es in der Tat – ueber und ueber mit grossen, spitz zulaufenden graugruenen Schuppen bedeckt. Guten Appetit!

  2. Petra
    26. März 2008 um 13:58

    auf diesen links kann man auch den unterschied zwischen den beiden tieren wunderbar sehen. so oder so, keins von beiden hätte ich gerne in der tiefkühltruhe! ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schuppentiere

    http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCrteltiere

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