Monatsarchiv für Februar 2008

 
 

Mädchenschicksale

von Alice Behrendt

Teenager-Mutter mit ihrem Baby(Fortsetzung des Beitrags vom 18. Februar) Wir arbeiten weiter an unserem Training und stellen individuelle Unterstuetzungsstrategien fuer die Kinder und ihre Familien zusammen. Jeder Fall ist schwierig und bedarf Zeit und Einfuehlungsvermoegen. Unsere Kapazitaet erlaubt uns lediglich, die schlimmsten Faelle in unser Folgeprojekt aufzunehmen. Wir diskutieren gerade notwendige Massnahmen fuer ein Maedchen, das von Fatmatah interviewt wurde. Aus Datenschutzgruenden werde ich das Mädchen Fema nennen. Fema ist 16 Jahre alt und hat beide Eltern im Krieg verloren. Sie hat ueber zehn Jahre in Fluechtlingskamps in Guinea gelebt, wo sie zeitweilig zur Schule ging.

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Katastrophenvorsorge in Ecuador

von Christian Frost

Christian Frost in EcuadorHallo, mein Name ist Christian und ich arbeite seit Oktober 2007 bei Plan und befinde mich gerade auf meiner ersten “Plan-Reise” in Ecuador und Kolumbien. In Ecuador war insbesondere der Besuch eines Plan-Programmgebiets in Cotopaxi sehr aufschlussreich: Die Stadt Latacunga wurde schon mehrfach durch Ausbrüche des alles dominierenden Vulkan Cotopaxi dem Erdboden gleichgemacht. Die Menschen sind gezwungen, immer wieder von vorne anzufangen.

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Liebe

von Stefanie Conrad

Junges PaarIch gehe inmitten einer Horde Kinder durch ein abgelegenes Dorf im Norden Guinea Bissaus, dessen verfallene Amtsgebaeude von seiner ehemaligen Wichtigkeit waehrend der Kolonialzeit sprechen. Heute liegt vor der einstmals schoenen Kathedrale die stumme Kirchturmglocke. Das Neuste in der Gemeinde ist ein Plakat mit einem glaenzend roten Aids-Emblem. Die Kinder zeigen mir ihr Dorf und erzaehlen mir von ihren Problemen. Ein Junge hat seinen Arm um ein Maedchen gelegt, und sie haelt halb verlegen, halb stolz seine grosse dunkle Hand. Ich bin erstaunt: Es ist selten, in Westafrika junge Liebespaare zu sehen, die offen zeigen, dass sie verliebt sind, vor allem in den laendlichen Gebieten. Haendchenhalten ist etwas, das hoechstens in Metropolen wie Dakar oder Abidjan zu sehen ist, und selbst dort von den Aelteren mit kritischem Blick betrachtet wird.

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Das Wohl der Familie

von Alice Behrendt

Zwei Frauen erhalten eine individuelle FamilienberatungDer Tag beginnt mit guten Neuigkeiten: Das Maedchen, ueber das ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, ist aus dem Koma aufgewacht. Ihr Zustand verbessert sich stetig und vermutlich kann sie morgen wieder nach Hause. Das eigentliche Problem, ihr gewaltaetiger Eheman, ist jedoch nach wie vor nicht aus der Welt geschafft. Sie moechte ihren Mann nicht fuer die schwere Koerperverletzung vor Gericht bringen, obwohl es nicht das erste Mal ist, dass sie krankenhausreif gepruegelt wurde. In Liberia haben Menschen wenig Vertrauen in das Justizsystem und leider zu vollem Recht: die meisten Anklagen “verschwinden” auf Nimmerwiedersehen in der Buerokratie, sobald der Taeter auf den richtigen Knopf drueckt, das heisst der richtigen Person Bestechungsgelder zukommen laesst. Selbst wenn die Faelle von den Vereinten Nationen unterstuetzt werden, dauert es haeufig unglaublich lange, bis eine Verhandlung stattfindet und dann faellt der notduerftig geschulte Richter meistens ein Urteil zu Gunsten des Taeters, besonders da die jungen Maedchen, von ihren Familien unter Druck gesetzt, sich im entscheidenden Moment nicht trauen, eindeutig gegen den Mann Stellung zu beziehen. Auch in diesem speziellen Fall wird das Maedchen, sobald ansprechbar, von ihren Eltern dazu aufgefordert, zu ihrem Ehemann zurueckzukehren.


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Das nächste Mal habe ich eine Tasche voller Murmeln …

von Raul Pineda

Raúl PinedaEs ist wieder mal Sommer in El Salvador und die regnerischen Tage sind jetzt vorbei – zumindest für einige Monate. Der Staub ist jetzt König unserer Strassen und unsere Lungen werden wieder auf die Probe gestellt.

Diesmal fuhr ich Richtung Osten, wo eine Ersatz-Familie für die Chamagua- Kinder gefunden wurde. Die Chamaguas (fünf Kinder) lebten bis vor einem Jahr unter unmenschlichen Bedingungen, als einer unserer Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Kollegen der Regierungs-Behörde ISNA diese Familie entdeckte. ISNA ist das “Salvadorianische Institut für Kinder und Jugendliche” und für alle Angelegenheiten der Familien und Jugend  zuständig.


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Spuren des Bürgerkriegs in Liberia

von Alice Behrendt

Hallo, ich heisse Alice. Ich arbeite seit knapp drei Jahren fuer Plan in Westafrika. Mein Standbein ist in Dakar (Senegal), allerdings ist es ein recht wackeliges Standbein: Ich bin nur ungefaehr sechs Wochen im Jahr tatsaechlich in meiner Heimat. Die meiste Zeit bin ich in den anderen Programmlaendern in Westafrika unterwegs. Ich arbeite im Bereich Forschung, Evaluierung und Projekunterstuetzung von Kinderschutzprogrammen. Die Arbeit macht mir viel Spass, wenn auch Buckelpisten, eine gigantische Luftfeuchtigkeit, Parasitenattacken und Malaria zuweilen an den Kraeften zehren.

Grenzübergang Sierra Leone - LiberiaSeit zwei Wochen bin ich in Liberia und Sierra Leone unterwegs, um eine Studie abzuschliessen und ein Training fuer ein Folgeprojekt durchzufuehren. Wir haben in den beiden Laendern im Grenzgebiet 400 Kinder interviewt, um mehr ueber ihre psychosozialen Beduerfnisse zu lernen und das Vorkommen haeuslicher und sexueller Gewalt in Nachkriegsgebieten besser einschaetzen zu koennen. Nun muessen wir die Frageboegen und Diskussionen auswerten und analysieren. Ich reise im Auto von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, bis an die Grenze nach Liberia und von dort weiter bis nach Monrovia, der Hauptstadt von Liberia. Aufgrund unterschiedlicher Meetings und den schlechten Strassen dauert die Reise drei Tage.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Monrovia, wo ich zwei junge Damen angeleitet habe, wie sie unsere Datenmengen zur Analyse in ein Computerprogramm eingeben, bin ich wieder in den Norden Liberias aufgebrochen.


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